Posts mit dem Label Politik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Politik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 21. Februar 2016

"Wir sind das Volk"?

Ich komme mir neuerdings so vor, als säße ich im falschen Film. Es ist, als stünden Teile meiner Landsleute und europäischen MitbürgerInnen unter den ganz harten Drogen. "Wir sind das Volk", so dröhnt es hohl und dumpf aus heiseren Kehlen in die kalte Nacht, wenn gegen die Unterbringung von AsylbewerberInnen "protestiert" wird. Ich denke mir: 'Na, wenn ihr das Volk seid, dann gute Nacht.' Denn nein: Ihr seid NICHT das Volk. Ihr seid der Pöbel, der Kaffeesatz der Gesellschaft. Das Pack, wie Sigmar Gabriel es nennt - mag man von ihm halten, was man will.

Ihr habt Angst vor Überfremdung? Ich auch, denn ihr seid mir sehr sehr fremd. Lachend neben einer brennenden Asylunterkunft stehend... wer seid ihr? Ich erkenne euch nicht, und eure Gesinnung erst recht nicht. Aber statt euch einfach mit einem Flugzeug in die Pampa abzuschieben, muss ich eure Blödheit und euren Hass ertragen. Das sind für mich die harten Kompromisse in einem Rechtsstaat. Es ist jener Rechtsstaat, um den vor gut 25 Jahren die Menschen unseres Landes gekämpft haben, als aus "Wir sind das Volk" das "Wir sind ein Volk" wurde. Leider darf ich bei den enthirnten Grölern dieser Tage schwer bezweifeln, dass sie die Liebe zu diesem Rechtsstaat teilen.

Deswegen steht es ihnen auch nicht zu, die Worte "Wir sind das Volk" in den Dreck zu ziehen. Wenn sie das Volk wären, dann würden sie für diesen Rechtsstaat kämpfen! Statt Flüchtlingsunterkünfte abzufackeln (die wir alle bezahlen, weil sie eine Aufgabe unseres Rechtsstaates sind) könnten sie einfach wie gewohnt weiterleben, oder die Neuankömmlinge z.B. bei Behördengängen begleiten und ihnen demonstrieren, welche Errungenschaften unser Land auszeichnen. Aber nein, das ist natürlich zu viel verlangt. Deswegen betätigen sich die, die sich als "Volk" bezeichnen, als "Antivolk" - als Gegner des Rechtsstaates. Sie behindern den Rechtsstaat in den Aufgaben, die er von Rechts wegen wahrnimmt. Sie zünden Unterbringungen an und behindern Staatsangestellte. Sie beschimpfen und erniedrigen Politiker und Politikerinnen, die rechtsgültig und demokratisch von den Bürgern und Bürgerinnen zur Regierung gewählt wurden. Das ist ein Schlag ins Gesicht der gesellschaftlichen Mehrheit. Denn wenn irgendjemand das Recht hat, sich als "das Volk" zu bezeichnen, dann ist es jene oft stimmlose Mehrheit an Menschen, die diesen Rechtsstaat erhalten, mitgestalten, und sich für ihn einsetzen. Die Dumpfbacken mit Hassneurose sind es nicht.

Ich sehe nicht ein, warum ich mir von so einer blöden Minderheit ins Gesicht spucken lassen muss. Es ist unsere Regierung, und sie ist rechtens, es sind unsere Grundwerte, und sie sind hart erkämpft. Deswegen entscheidet der Bund über Asylanträge - und nicht der Mob! Wie peinlich kann es denn noch werden, wenn die von der großen Mehrheit (!) der Bevölkerung gestützte Kanzlerin erwähnen muss, dass "dieses Land nicht [ihr] Land" sei, wenn es kein menschliches Gesicht an den Tag legen kann? Muss man sich neuerdings dafür schämen, ein Gewissen zu haben?

Hört das Morden und Sterben der Welt denn auf, weil wir Zäune bauen? Kann es uns allen ernstes besser gehen, wenn die Menschen in einem Elendsghetto vor der türkischen Grenze umkommen? Wir können Zahlen erfinden, aber das Problem verändert sich dadurch nicht. Dabei hätten wir die Mittel, etwas zu tun!

Denn nein, wir müssen keinen Erdogan als Verbündeten anheuern. Dieser Mann, wäre er ein deutscher Politiker, säße längst im Knast! Wie können wir glauben, dass ein narzistisch gestörter Autokrat seines Kalibers ein Eckpfeiler der Asylpolitik sein könnte? Jeder Euro, der dort investiert wird, finanziert sein doppelgesichtiges Unrechtssystem und löst Null-Komma-NICHTS.

Waffengewalt und Militäreinsatz im Nahen Osten? Unsinn! Kein Konflikt der großen weiten Welt wurde jemals mit Waffen gelöst. Krieg und Gewalt sind immer Teil des Problems - aber niemals ein Teil der Lösung. Sparen wir uns das Geld für das, was wirklich funktioniert. Hören wir auf, zwielichtige Verbrecher wie die Türkei und Saudi Arabien auch noch zu hofieren! Sie sind Teil des Problems - aber nicht der Lösung. Wie kann es sein, dass wir ihnen Rüstungsgüter exportieren? Sind wir hirntot?

Europa hätte theoretisch ohne weiteres das Potential dazu, ALLE Flüchtlinge Syriens unterzubringen, wenn es sich als Wertegemeinschaft versteht und seine Möglichkeiten nutzt. Stattdessen: Nationalistische Spacken an allen Fronten. Jedes noch so poplige Mitgliedsland glaubt, es wäre der Nabel der Welt. Hier die Neuigkeit für jede einzelne europäische Nation: Ihr seid ein Fliegenschiss auf der globalen Landkarte - kommt endlich damit klar.

Der inner-europäische Nationalismus der Teilstaaten ist eine katastrophale Dummheit, für die uns unsere Enkelkinder einmal zurecht verachten werden. Europa steht für Werte. Meinungs- und Pressefreiheit, politische und gesellschaftliche Teilhabe aller, Zusammenarbeit, Schutz von Minderheiten, Gewaltenteilung, Rechtsstaatlichkeit, Trennung von Religion und Staat, Gleichberechtigung von Mann und Frau, unveräußerliche Menschenrechte, und so weiter und so fort. Die Nation hilft uns einen Dreck dabei, das zu verteidigen und zu vertreten, denn die Nation denkt nur an ihre kleinliche Identität. Wem haben wir den anhaltenden Frieden auf unserem Kontinent in den letzten Jahrzehnten zu verdanken? Der Nation? Nein, der inner-europäischen Verständigung.

Deswegen interessiert es mich nicht, ob ihr das Volk seid, oder nicht (abgesehen davon: Ihr seid es nicht!) - denn der Begriff "Volk" an sich interessiert mich nicht. Die "Nation" kann die Welt und mich am A**** lecken. Was mich interessiert ist, ob ihr meine Werte teilt! Glaubt ihr an Demokratie, an menschliche Politik, an Grundwerte, an Gleichberechtigung, an den Schutz der Schwachen? Dann seid ihr für Europa. Glaubt ihr an Grenzen, an Zäune, an "Überfremdung"? Dann herzlich willkommen: Ihr seid die Hauptdarsteller in dem schlechten Film, der hier läuft.

Der reichste Kontinent der Welt ist mehr als in der Lage, den Herausforderungen unser Zeit zu begegnen. Es ist - wie immer - nur eine Frage des politischen Willens. Leider vermisse ich den - schon wieder sitze ich irgendwie im falschen Film. Aber was schreibe ich von "Willen": Die hohlen Dumpfbacken von "besorgten Bürgern", [irgendwas]GIDA und AFD und Co. haben keine Ahnung, was sie wollen, sie laben sich nur an ihrem ungezügelten Hass, denn der beschert ihnen ein angenehmes Gefühl. Sie lernen nicht aus der Vergangenheit, sie wiederholen die Fehler ihrer Großeltern und Urgroßeltern und Ururgroßeltern... Es ist zum Kotzen. Ich würde so gerne umschalten, aber ich sitze in diesem beschissenen Film.

Meine Hoffnung ist, dass ich in diesem Kino nicht alleine bin, und dass da draußen noch viele andere sind, die diese possenhafte Aufführung kopfschüttelnd ansehen, um dann das Geld für ihre Kinokarten zurückzufordern, den Saal verlassen und für ein Europa der Werte einstehen. Denn die Menschen, die da zu uns strömen, müssen genau das hier finden. Und wenn wir noch bei Trost sind, dann setzen wir uns dafür ein.

Sonntag, 3. Mai 2015

Totgeglaubte leben länger: Deutscher HipHop und Rap

Nach Bushido, Sido und Co schon totgeglaubt: Deutscher HipHop und Rap. Für einige Zeit schien es, als würde der deutsche Sprechgesang endgültig untergehen in sexistischem, kriminellem, xenophoben, rassistischem, faschistischem oder sonstwie inhaltsfreiem oder einfach nur dummem Geschwafel.


Aber weit gefehlt. Der neue deutsche HipHop ist aufrecht, menschenfreundlich, verschlagen humoristisch, sehnsuchtsvoll, unglaublich direkt und oft auch ein bisschen Links-Demokratisch - sofern dieser veraltete politische Begriff überhaupt noch passt. Das Ergebnis: Musik, die man nicht einfach runterhören kann, die verändern will und aufrüttelt, die oft schwer verdaulich ist, die Hoffnung macht, die Fragen stellt und nicht selten keine Antworten hat.


Von Sookee hab ich schon öfter geschrieben, aber da sind noch so viele mehr. Kobito, Danger Dan, die Antilopen Gang, NMZS (R.I.P.), Refpolk, Koljah und und und. 

Und weil man sich die nicht alle merken oder selbst erarbeiten kann, mache ich eine Playlist draus, die man (bevorzugt in zufälliger Reihenfolge) abspielen und bewundern kann. Wollen wir hoffen, dass dieser Liste noch viele viele gute Einträge hinzugefügt werden können - schreibt mir eure Tips!

Montag, 7. Juli 2014

CSD Köln 2014

Am vergangenen Wochenende gipfelte in Köln der Christopher Street Day (CSD) in einer großen Parade. Bei gutem Wetter schlenderte eine wahrhaft bunt gemischte Menschenmenge zum Umzug: Familien mit Kindern, Drag Queens (und Kings), Grüppchen von Junggesellinnen, Ledermänner, miteinander ergraute Ehepaare, ... Kurzum: Ein großes Spektakel des Lebens und Leben-Lassens.

Zwei Kilometer weiter eine andere Welt. In der U-Bahn-Station Kalk-Post hält sich eine Gruppe junger Deutsch-Türken auf. Jeder scheint möglichst lautstark darauf bedacht, sich zu profilieren und Eindruck zu schinden. "Ey, der da geht bestimmt auch zu dieser Schwulen-Veranstaltung!" ruft einer. Ein anderer stachelt ihn auf: "Gehst du zu den Schwulen?! Du gehst doch selber zu den Schwulen!" Es entsteht ein längeres hin und her von gegenseitiger Bezichtigung, dass einer zur Parade ginge, und selbstverständlich weist ein jeder den Verdacht weit von sich - alles halb Scherz, halb Ernst. Offensichtlich will keiner von ihnen etwas mit "denen" zu tun haben, doch man spürt ihnen die heimliche Neugier und vielleicht auch etwas Faszination ab. Ihr Gespräch kehrt immer wieder zum scheinbar Verbotenen zurück. Innerhalb dieser Gruppenkonstellation wird wohl keiner von ihnen den Mut und das Selbstbewusstsein aufbringen, drei Stationen weiter zu fahren und sich einfach sein eigenes Bild zu machen. Ich bedaure sie heimlich wegen der Grenzen, die ihnen ihre Kultur und Sozialisation gesetzt hat.

Ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, wenn sich einer von ihnen tatsächlich zur Parade traute. Wie würde er reagieren auf eine über 2 Meter hohe und verbal schlagfertige Drag Queen? Was sollte er von einem der muskelbepackten "Bären" halten, dessen fast schon überzeichnete Männlichkeit so gar nicht dem Vorurteil der "weibischen Tunte" entspricht? Welche Gedanken würde er haben angesichts von Menschen, die sich eben nicht auf den ersten Blick einem männlichen oder weiblichen Rollenbild zuordnen lassen, für die diese Bezeichnungen womöglich ganz und gar unpassend sind? Ich muss lächeln bei dem Gedanken, dass die meist gut parfümierten, perfekt frisierten und sehr auf ihr Äußeres bedachten Jung-Türken ja unfreiwillig selbst ins Klischee des effeminierten Schwulen passen. Sicher, das ist vor allem kulturell bedingt, aber es entbehrt einer gewissen Komik nicht.

Letzten Endes ermöglicht der CSD vor allem eines: Wahrnehmen anderer Menschen als Menschen. Jenseits der schönen Schubladen, in die man sie sonst so gerne gesteckt hätte. Wer einfach einmal neben einem Transsexuellen oder in einer Gruppe heiterer Lesben steht und gemeinsam eine Bratwurst und ein Kölsch verdrückt, der verliert die Scheu der Ahnungslosigkeit, und das christliche Abendland (bzw. das islamische Morgenland) geht darüber auch nicht unter.

À propos christliches Abendland: Im Rahmen des CSD fanden gleich mehrere Gottesdienste statt, vor allem auch durch Anregung und unter Gestaltung durch die LGBTIQ-Community. Ich finde es bemerkenswert, dass hier Menschen die Arme ausstrecken nach einer Religion, deren Vertretern sie - weiß Gott - wenig gutes zu verdanken haben. Schritte der Versöhnung, die dem CSD seinen Wert verleihen.

Freitag, 13. Dezember 2013

Warum Putin kein Blutegel sein kann...

Blutegel sind wirbellose Tiere, haben also keine Knochen.

Wladimir Putin kann also kein Blutegel sein, immerhin blamiert er sich regelmäßig bis auf die Knochen.

Q.E.D.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Warum Microsoft, Yahoo, Google und co Interesse an Transparenz haben

Die großen Unternehmen, die im Rahmen der PRISM Affäre darum bitten, Details über die Überwachung veröffentlichen zu dürfen, haben dafür gleich mehrere gute Gründe. Sie alle heißen Image und sind das wertvollste Kapital großer IT-Unternehmen.

(A) Das US Gesetz zwingt diese Unternehmen dazu, keine Aussagen zur Überwachung zu machen oder gar zu lügen. Der Image-Schaden dafür landet aber bei den Unternehmen, nicht bei der NSA. Auch die Kosten für Pressearbeit und Promotion bleiben an den Unternehmen hängen.

(B) Die Unternehmen wollen sich nicht vorwerfen lassen, Terror oder Verbrechen zu unterstützen. Auch das schadet dem Image. Und auf die paar Leute,  die entweder selbst Verbrecher sind oder die gesteigerten Wert auf Datenschutz legen, können die Unternehmen sehr gut verzichten.

(C) Die Unternehmen wollen nicht als Datenkraken dastehen, sondern als verlässliche Partner für die Wirtschaft. Kein Unternehmen wird sich aber darauf einlassen, seine Daten in Microsofts, Amazons oder Googles Cloud zu legen (und dafür zu bezahlen), wenn die Gefahr von Diebstahl und Wirtschaftsspionage besteht. Solch ein Image-Schaden könnten die gesamte Cloud-Blase der IT Industrie platzen lassen und damit auch die erhoffte Zukunft der Branche.

Sonntag, 14. Juli 2013

Geheimdienste

Warum kann ein Geheimdienst nicht einfach hingehen und sagen: "Wir überwachen zu eurer Sicherheit euer gesamtes Privatleben, wir filmen euch und hören eure Kommunikation ab?"

Etwa, weil er fürchtet, damit seine Technik preiszugeben oder ein Geheimnis zu offenbaren?! Blödsinn! Der einzige Grund, warum ein Geheimdienst das nicht zugeben kann, ist die Angst davor, dass die Menschen unter dieser Prämisse dann doch lieber keinen Geheimdienst haben wollen. Und wer gefährdet schon gerne die eigene Existenzgrundlage...?

Im Fall Snowden bedeutet das, dass Geheimdienste Snowdens Offenbarungen als Verrat brandmarken. Die Überwachung selbst wird aber leider nicht zum Thema gemacht.

Ich bin dafür, einen Strich durch diese kranke Rechnung zu ziehen. Wenn totale Überwachung der Preis eines subjektiven Sicherheitsgefühls ist, dann hätte ich doch lieber gerne eine Schüssel Freiheit mit einer Prise Unsicherheit. Vielleicht könnte man ja statt eines Geheimdienstes lieber Entwicklungshilfe finanzieren? Da scheint mir das Geld sinnvoller angelegt.

Mittwoch, 12. Juni 2013

Aus gegebenem Anlass

Wir werden Zeugen, wie weltweit gewaltsam gegen soziale, ethnische und religöse Minderheiten vorgegangen wird. Sei es in Nordkorea, in Russland, in China, in der Türkei oder in Ungarn. Natürlich alles nur zum Schutz der Bürger, so die Herrschenden. Wir sollten es besser wissen.

Auf Martin Niemöller geht folgendes Zitat zurück - es kann nicht oft genug rezitiert werden:
Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Partnerschaft, Ehe, Partnerschaft, Ehe, ...

Ich habe bereits in meinem Post über das Ehebild der CDU spekuliert, dass das Bundesverfassungsgericht die steuerliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare einfordern wird.

Quelle: Eric Rolph, Englische Wikipedia. Creative Commons.

Das ist heute geschehen. Ein guter Tag für Regenbogenbeziehungen.

Damit fehlt nicht mehr allzu viel bis zur Gleichberechtigung von gleichgeschlechtlichen und verschiedengeschlechtlichen Paaren. In erster Linie betreffen die Unterschiede noch das Adoptionsrecht, so wie die Nomenklatur: "Eingetragene Lebenspartnerschaft" spricht sich eben holpriger aus als "Ehe".

An dieser Stelle meine persönliche Top-10 der dümmsten Gegenargumente:

  1. Die Natur hat es anders vorgesehen.
    Da die Natur keine Person ist, hat sie überhaupt nichts vorgesehen. Wir finden in der Natur Sachverhalte vor. Zum Beispiel den, dass es eine konstante Quote von homosexuellen Lebewesen in unterschiedlichen Arten gibt. Die Wissenschaftsverbände der Medizin und Psychologie haben jedenfalls kein Problem mit Lesben und Schwulen.
  2. Es ist nicht normal.
    Gern angebrachtes Argument von Menschen, die "normal" mit "häufig" verwechseln. Es ist normal, dass jeden Tag jemand im Lotto gewinnt. Viele Lottogewinner kenne ich trotzdem nicht.  Es ist normal, dass auf dieser Welt Homosexualität vorkommt. Homophobie gibt es übrigens nur in einer einzigen Art - beim Menschen.
  3. Es wertet die Ehe ab.
    Eine wunderbare Aussage von Menschen, die den Wert ihrer Ehe geschmälert sehen, wenn andere Menschen die gleichen Rechte genießen dürfen. Muss eine sehr erfüllende Ehe sein.
  4. Es gefährdet die Familie.
    Genau. Sieht man zum Beispiel hier. Abertausende von heterosexuellen Paaren überlegen es sich jetzt nochmal anders, lassen sich scheiden, schicken die Kinder ins Heim und verlassen ihre Verwandten. Ganz zu schweigen von all den Paaren, die jetzt deswegen ihre Hochzeit absagen werden.
  5. Dann ist Pädophilie und Inzest demnächst sicher auch legal.
    Das Lieblingsargument von Menschen, die nicht verstehen, dass Kinder schutzbedürftig und unmündig sind - und dass die Entscheidung zweier mündiger erwachsener Menschen sich von dieser Situation "geringfügig" unterscheidet.
  6. Dann ist Polygamie demnächst sicher auch legal.
    Nun ja, im Alten Testament gab es sie, in Arabien gibt es sie, in Indien, in Afrika, ... Warum eigentlich nicht? Der Begriff von "Ehe" ist jedenfalls seit jeher flexibel für die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen.
  7. Die Bibel sagt aber...
    Darüber kann man geteilter Meinung sein. Wie zum Beispiel hier und hier aufgeführt. Und selbst wenn: In einem säkularen Staat kann das kaum ein Argument sein.
  8. Das wird den Steuerzahler belasten.
    Das würde es... dummerweise lassen sich nur so wenige gleichgeschlechtliche Paare "verpartnern", dass es kaum ins Gewicht fällt, siehe mein anfangs erwähnter Post. Die Kippe aus dem Fenster werfen verursacht übrigens auch Kosten.
  9. Es könnte Kinder und Jugendliche verwirren.
    Dieses Argument muss stimmen, schließlich kann man sich seine Sexualität ja auswählen. Am Besten, man konfrontiert Kinder überhaupt nie mit irgendeiner Form von Sexualität, oder? Und wenn doch, dann natürlich nur mit Heterosexualität. Denn heterosexuelle Eltern kriegen immer heterosexuelle Kinder... ähhh... ne, Moment...
  10. Aber die müssen es ja nicht immer zur Schau stellen. Sollen sie es doch zuhause für sich machen.
    Rechte von Menschen sind keine Schau. Ersetzen wir mal ein Wort in diesem Satz:
    "Ich habe ja nichts gegen [Frauen/Ausländer/Kleinwüchsige/CDU Politiker/Heterosexuelle], solange man es ihnen nicht anmerkt." Witzig, ge?

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Das Ehe-Bild der CDU

Man darf sich schon schwer wundern, was in den Köpfen der CDU Politiker auf dem Parteitag vorging, als die steuerliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften diskutiert wurde.

Nicht, dass ich ein Problem damit hätte, dass die CDU sich positioniert. Das darf und soll sie. Aber ihre Position ist nicht nachvollziehbar und fern jedweder Logik.

Vater + Mutter + Kind = Familie?

Sowohl von CDU Politikern während des Parteitags, als auch in zahlreichen Kommentaren von Befürwortern wird die Ehe als vielbeschworene Gemeinschaft aus Vater, Mutter und Kind (letztere gerne im Plural) aufgefasst, die es zu schützen und hervorzuheben gelte. Gut!

Unterstützt die CDU Ehen finanziell, wenn sie Probleme haben, etwa durch Gutscheine für Ehe-Therapie oder Kurangebote, oder richtet die CDU Kurse für angehende Eltern ein, die ihnen Grundlagen der Kindererziehung nahe bringen? Nein. Stattdessen liegt die Scheidungsrate bei gut 50%, über das Schicksal alleinerziehender Eltern muss an dieser Stelle wohl schon gar nicht mehr berichtet werden, und jeder Sozialarbeiter kann von bundesweiten Erziehungsmisstständen ein Liedchen singen.

Unterstützt die CDU Ehen, die gar keine Kinder in die Welt setzen? In gewissem Maße tut sie das, weil der Steuervorteil auch für gewollt und ungewollt kinderlose heterosexuelle Paare gilt.

Wenn die CDU ein "fruchtbares" Ehebild unterstützen möchte, warum macht sie dann nicht entsprechende Politik? Hier ein paar Vorschläge:
  • Begrüßungsgeld für neue Kinder.
  • Kostenlose Beratungsangebote für werdende Eltern oder Ehen in der Krise.
  • Kindergeld für jedes Kind in gleicher Höhe (denn jüngere Kinder sind nicht weniger wert, als ältere...)
  • Steuerliche Gleichstellung für unverheiratete heterosexuelle Paare mit Kindern.
  • Vereinfachung des Scheidungsrechts, um geschiedene Partner nicht zusätzlich auf Kosten der Kinder finanziell zu belasten.
Das bisherige Handeln der CDU legt meines Erachtens aber nahe, dass es eher um die Unterstützung von Heterosexualität geht, als um die Förderung von Familie als Wiege der Geborgenheit heranwachsender Bürger und Bürgerinnen.

Selbst wenn die CDU (das C steht übrigens für "christlich"!) ein christliches Ehe- und Familienbild haben sollte - oder sollte ich es lieber ein alt-testamentliches Ehe- und Familienbild nennen? - es scheint ihr nicht viel Wert zu sein.

Ehe rechnet sich!

Dabei rechnen sich Ehen für den Staat. Wenn zwei Menschen sich entschließen, eine Partnerschaft einzugehen, füreinander Sorge tragen und Verantwortung übernehmen, dann:
  • ... sinkt die finanzielle Verantwortung des Staates, die aus seinen Fürsorgepflichten resultiert. Renten- und Versicherungskassen werden effektiv entlastet.
  • ... stärken sie sich gegenseitig. Sie bleiben länger aktiv lebens- und arbeitsfähig, was für Arbeitgeber gut ist.
  • ... entlasten sie sich gegenseitig. Eine gemeinsame Wohnung ist potentiell günstiger als zwei einzelne Wohnungen. Es wird Kaufkraft frei, was für die Wirtschaft gut ist.
Alle diese Effekte gelten aber auch für gleichgeschlechtliche Paare. Da der Staat davon so üppig finanziell profitiert - sollte er diese Lebensgestaltung dann nicht anerkennen?

Ist die gleichgeschlechtliche Partnerschaft näher am christlichen Ideal?

Die Antwort auf diese Frage hängt bestimmt vom eigenen Glaubensbild ab, und es liegt mir fern, dieses in Frage zu stellen. Aber mir drängen sich schon seltsame Gedanken zu diesem Thema auf.

Wenn gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Pflichten - aber weniger Rechte genießen, als heterosexuelle Paare, dann verdreht sich damit auf groteske Weise das Ehe-Bild der CDU mit dem christlichen Ehebild. 

Kein Schwuler und keine Lesbe kommt auf die Idee, aus steuerlichen Gründen eine Partnerschaft einzugehen. Kann man das von heterosexuellen Paaren auch behaupten? Wenn zwei Menschen bereit sind, Pflichten auf sich zu nehmen, aber weniger Rechte dafür zu erhalten, dann kann man das als Zeichen unbedingten Wollens ansehen. "Ich liebe dich und möchte mit dir leben - und dazu brauche ich keine staatliche Begünstigung, dafür nehme ich auch Nachteile in Kauf." Das ist ein Liebesbeweis, der heterosexuellen Ehen verwehrt bleibt.
Die CDU verklärt gleichgeschlechtliche Partnerschaften!
Indem die CDU also die Gleichstellung nicht weiter vorantreibt, verklärt sie gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Ob sich die CDU dessen bewusst ist, und ob das in ihrem Sinne war?

Keine Rücksicht auf wenige?

Darüberhinaus gebietet die Vernunft die Frage, wieviele gleichgeschlechtliche Partnerschaften denn überhaupt geschlossen werden. Hat es für den Staat denn so große Nachteile, die steuerliche Gleichstellung einzusetzen? Laut einer Statistik des Bundestags wurden 2010 bundesweit gerade einmal 23.000 eingetragene Lebenspartnerschaften gezählt. Zum Vergleich: Allein 2011 wurden 377.831 Ehen neu geschlossen!

Es riecht schal und geizig, noch immer über die Frage der steuerlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare zu streiten, wo sie doch kaum jemanden betrifft.

Und was ist mit der CDU?

Es macht mich schon etwas traurig, dass sich die regierende Partei logischen Argumenten verschließt. Stattdessen erwarte ich, dass das Bundesverfassungsgericht mit Vernunft über diese Angelegenheit urteilen wird.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Ebay - eine Marke auf dem Abstieg

Man vergleiche mal die beiden Ebay Werbungen aus dem Jahre 2011 und dem Jahre 2012.
(Ebay Werbung 2011)

(Ebay Werbung 2012)

Ein frappierender Abstieg! Beängstigende Tendenzen bei Ebay! Offensichtlich ist dieses Unternehmen ideologisch auf dem Weg ins vorletzte Jahrtausend.

Während im Werbespot aus dem Jahr 2011 ein männlicher Darsteller durch die bunte Vielfalt der Produktangebote von Ebay schlendert, tischt uns Ebay im Jahre 2012 eine weibliche Sprecherin auf. Und was verrät uns diese Sprecherin?

"Frauen kümmern sich um die Einrichtung des Hauses, legen Wert auf Stil und schöne Kleider, bevorzugen Rosa. Männer beschäftigen sich mit Elektronik, Autos und anderer Technik, und bevorzugen selbstverständlich blau."

So oder so ähnlich könnte man die Aussage des Videos zusammenfassen, schließlich soll der Werbespot ja möglichst viele Kunden direkt ansprechen.

Wenn dieses Land eines am wenigsten nötig hat, dann ist es sicherlich eine Werbung, die uns die Geschlechter- und Rollenklischees unserer Großeltern auf's Brot schmiert.

Deswegen lautet mein Aufruf: Mädchen, beschäftigt euch mit Technik und eignet euch Fähigkeiten im Umgang damit an - ihr habt es drauf!! Jungs, beschäftigt euch mit Design und Mode und schämt euch nicht, schönes auch schön zu nennen - ihr habt es drauf!!

Mittwoch, 26. September 2012

Sakrament nochamoi!

Die katholische Kirche legt sich ein Ei. "Sakramente nur für Steuerzahler" titeln die heute-Nachrichten. Wer sich den Artikel durchliest und sich mit der Sache beschäftigt, kommt ins Nachdenken, denn an diesem Fall entzünden sich gleich mehrere Feuer, die schon seit langem brodeln.

Staat und Kirche - getrennt, oder doch nicht?

Eine strenge Trennung zwischen Staat und Kirche gibt es in Deutschland nicht, und für viele ist die Kirchensteuer der erste Beweis dafür. In der Kirchensteuer vermischen sich hoheitliche Aufgaben des Staates mit den organisatorischen Bedürfnissen der Amtskirchen.

Aber nicht diese Vermischung schürt den eigentlichen Unmut. Es ist die kleine, aber beschauliche Zahl, die auf der Gehaltsabrechnung auftaucht. Deutschland bildet sich viel darauf ein, eine Dienstleistungsgesellschaft zu sein, und so verwundert die Frage nicht:

Was kriege ich eigentlich für meine Kirchensteuer?

Die Amtskirchen nutzen die Kirchensteuer, um Löhne und Gehälter ihrer Angestellten zu zahlen, Gebäude intakt zu halten (damit "die Kirche im Dorf bleibt"), soziale und humanitäre Aufgaben wahrzunehmen. Nun gibt es zwei Sorten von Menschen, die Mitglieder der Kirche sind:

VolksgläubigeReligiöse
... gehen bestenfalls zu Weihnachten, zu Taufen, Beerdigungen und zu Gottesdiensten anlässlich einer Trauung in die Kirche und haben sonst kaum Berührungspunkte mit der Institution.... sind teilnehmend, oft auch aktiv. Als dem-Glauben-zugewandte tragen sie das inhaltliche Gerüst der Kirchen.

Volksgläubige Menschen bilden die absolute Mehrheit der Kirchenmitglieder, aber beide Gruppen fühlen sich wechselseitig benachteiligt. Die Religiösen ärgern sich über die "desinteressierten Volksgläubigen", die nur "aus Spaß und Lifestyle" die Kirchen aufsuchen und eigentlich keinen Bezug zum Glauben zu haben scheinen. Sie, die immer da sind und mitarbeiten, empfinden sich als Dienstleister für die, die ohne persönliches Anliegen zu Sonderanlässen auftauchen, den Glauben für ihre Wünsche zu instrumentalisieren scheinen und dreist Forderungen stellen.
Die Volksgläubigen wiederum sehen sich als zahlende Kunden, die einen Anspruch darauf haben, in wichtigen Lebensphasen die Dienste von Pfarrer und Kirche in Anspruch nehmen zu dürfen. Abgesehen von wenigen Gelegenheiten, bei denen sie die Kirchen aufsuchen, haben sie ja nichts von ihren Zahlungen.

Sind Sakramente käuflich? Was ist die Kernaufgabe des Glaubens?

Beide Gruppen sitzen einem Irrtum auf. Dieser Irrtum zeigt sich, wenn man sich auf die Kernaufgabe christlichen Glaubens konzentriert: Die Ehrung Gottes. Aufgabe von Kirche ist es, Gott durch ihr Denken und Tun Ehre zu machen.

Irrtum Nummer 1: Ich zahle, also kriege ich

Als volksgläubiger Mensch muss man sich die Frage stellen lassen, ob das eigene Handeln mit der Kernaufgabe in Einklang steht. Ehrt es Gott, wenn er (oder sie?) die meiste Zeit des Jahres außen-vor bleibt, und nur zu Weihnachten ein Rolle als Verschönerung spielt? Ehrt es Gott, wenn man die Gemeinschaft mit Schwestern und Brüdern meidet? Ehrt es Gott, wenn ich aus dem Glauben an das Gandengeschenk einen Glauben an die Gnadenware mache? Nein - es ehrt Gott nicht. Wenn Glauben nicht Herzensanliegen und Lebensanker ist, dann hat man sich den Reichtum des Glaubens längst verspielt. Daran ändert dann auch die Kirchensteuer nichts, und wenn sie noch so hoch ist. Die Kirchensteuer ist und bleibt faktisch ein Mitgliedsbeitrag im "Verein" Amtskirche, und es ist dieser "Verein", der die Regeln festlegt, was damit geschieht. Ohne Glaube sind Sakramente lediglich hohles Ritual.

Irrtum Nummer 2: Ich zahle nicht, also kriege ich nicht

Als Gläubiger muss man sich dem Problem von der anderen Seite nähern. Die Kirchen werden kleiner. Sie schrumpfen. Unsere Gesellschaft ist in weiten Teilen längst von Beliebigkeit geprägt. Ehrt es nun Gott, wenn ich die Menschen wegschicke, die einen Segen, einen Trost, einen Zuspruch wünschen? Ehrt es Gott, wenn wir die Wahrheit für uns pachten und selbst entscheiden, wer würdig ist, und wer nicht? Ehrt es Gott, wenn ich aus dem Glauben, der alle einlädt, einen Glauben an Vereinsmitgliedschaft und Ausgrenzung mache? Nein - es ehrt Gott nicht. Wenn Glauben nicht Platz hat für andere, wenn Institution über Liebesgebot steht, dann hat man sich den Reichtum des Glaubens längst verspielt. Daran ändert dann auch ein Ausschluss von Nichtmitgliedern an den Sakramenten nichts, und wenn man noch so streng ist. Erwartet man denn wirklich, dass jemand es sich durch diesen Druck anders überlegt und in der Kirche bleibt? Ist denn damit Glaube gerettet oder irgendetwas verbessert? Nein.

Was soll nun werden?

Die Kirche steht vor Veränderungen, vor großen Veränderungen. Menschen werden sich daran gewöhnen müssen, dass es nicht mehr genügend Pfarrer und Pastoren gibt, dass die nächste Amtsgemeinde weit entfernt ist, dass sich der Gedanke an eine dienstleistende Kirche als Fantasterei entpuppt. Vielleicht werden sie sich sogar daran gewöhnen müssen, dass es keine Kirche mehr gibt, wenn sie nicht selbst Teil davon sind. Kirche kann nur genau das sein, was ihre Mitglieder daraus machen. Deswegen schrumpfen die Kirchen im Moment, vielleicht ist es ein Gesundschrumpfen. Das Debakel um Sakramente und Kirchensteuer ist ein unrühmlicher Meilenstein auf dem Weg einer Kirche, die auf die harte Tour lernen muss, dass auf kurz oder lang alles an ihr absterben wird, was Menschen nicht für Jesus Christus begeistert.

Dienstag, 18. September 2012

Islamkritische Filme und Meinungsfreiheit

OK, der Hund hat gebellt. Die Filmemacher des Anti-Islam-Propaganda-Films wollten provozieren, und es ist ihnen gelungen. Toll für sie. Wenn man vom Film auf seine Macher und Darsteller rückschließen kann, dann muss man diese vor allem als unglaublich dumm und unerwachsen beschreiben.

In Demokratien mit Meinungsfreiheit dürfen nun allerdings auch dumme, unerwachsene Menschen ihre Meinung äußern. Das ist auch toll. Allerdings darf sich keiner dran stören, wenn der Film dann auch heftig kritisiert wird für das, was er ist: Unglaublich dumm und unerwachsen.

In islamischen Ländern gibt es keine Demokratien mit Meinungsfreiheit. Wenn sich die Menschen dort schrecklich ärgern und wütend werden, dann ist das übrigens auch toll. Es verwundert mich deswegen auch nicht, wenn diese Länder den Film bewusst sperren. Das ist eine Maßnahme zur Sicherung der inneren Sicherheit in Ländern, die mit den radikalen Bevölkerungsmassen überfordert sind.

(Ganz nebenbei: Ohne Aufstände hätte sich niemand für den Film interessiert. Gratulation an alle Aufständischen, ihr habt das Gegenteil von dem bezweckt, was ihr wolltet!)

Was mir bei der gesamten Debatte über den Film und seine Auswirkungen bitter aufstößt ist die Vernachlässigung der getöteten Botschaftsmitarbeiter. Statt über diesen Mord zu sprechen, wird der alberne Film thematisiert, der nun wirklich keinen Gedanken wert sein dürfte.

Was aber ist mit den Mördern? Wer gibt einem Menschen das Recht, einen anderen Menschen stellvertretend für Taten einer Handvoll seiner Landsmänner zu ermorden? Wer gibt einem Menschen das Recht, einen anderen Menschen wegen einer Meinung, und sei sie auch beleidigend, zu töten?

Wenn es dafür eine Rechtfertigung gibt - sei es Religion oder Gesetz - dann ist sie dumm und unerwachsen. Wenn es dafür aber keine Rechtfertigung gibt... warum hört man nichts davon, dass die Mörder zur Verantwortung gezogen werden?

Freitag, 16. März 2012

Liebesmails vom Alleinherrscher-Mausi-Putzi

Vorausgesetzt, dass der Wahrheitsgehalt der Meldung höher ist, als einst jener der Hitler-Tagebücher:

Umfassende Teile des privaten E-Mailverkehrs von Bashar al-Assad, seines Zeichens Gewaltherrscher von Syrien, sind der Öffentlichkeit zugänglich.

Leider gibt al-Assad keinen guten Bösewicht für einen Film ab. Ihm fehlt die dämonische Durchtriebenheit und Gemeinheit, die ein Osama Bin-Laden noch sein Eigen nennen konnte (im Gegensatz zu seinem Kopf). Kann ein Mensch, der seiner Frau lustige YouTube-Links schickt, denn wirklich böse sein? ... Nun ... ähhh... vermutlich schon.

Die Dekadenz des internetaffinen Diktators und seiner besseren Hälfte stoßen bitter auf, gewiss. Die Brocken an Information, die aus seinem krisenerschütterten Land zu uns dringen, die Meldungen über Gewaltverbrechen unfassbarer Ausmaße, all das ist Teil dieses schillernden Hardliners.

Dennoch zeigen uns die E-Mails al-Assads eine gleichermaßen abgründige, erschreckende und irritierende Seite eines Brutalpolitikers auf dem absteigenden Ast. Irritierend, weil man sich in den persönlichen Nachrichten wiederfindet, weil man sich plötzlich mit jemandem identifizieren kann, dem man so gar kein gutes Haar zugestehen möchte (auch nicht am gepflegten Schnurbart). Dabei will man dem Bösewicht der Geschichte doch so gerne mal richtig ausgiebig böse sein dürfen.

Syrien benötigt Hilfe und ist arm dran - daran kann kein Zweifel bestehen. Aber auch wir müssen lernen, dass diese Welt nicht Schwarz-Weiß-verwöhnt ist, sondern dass wir es immer wieder mit Grautönen zu tun haben, die uns das Denken und Handeln schwerer machen. Komplizierte Probleme haben komplizierte Lösungen, so sagte mein Professor einst. Was also tun mit dem komplizierten Syrienkonflikt und dem scheinbar so einfach gestrickten al-Bashar?

Mittwoch, 15. Februar 2012

Ich kaufe zwei Kinderlose...

... aus der Lostrommel der CDU. Mit der Debatte um eine Sonderabgabe gibt sich das Realkabarett der bundesdeutschen Parteienlandschaft einen neuen peinlichen Auftritt. Familienministerin Schröder, der hellste Stern am Himmel der Ahnungslosen, wünscht sich statt einer Sonderabgabe "Kinderwünsche zu befördern" - was natürlich im Endeffekt genau das gleiche ist, nur unter einem anderen Namen.

Grundsätzlich genießt ein Staat die Autorität, im Rahmen seiner Verfassung und seiner Gesetze seinen Bürgern Steuern auferlegen oder lockern zu können, um damit wirtschaftliche oder soziale Prozesse in seinem Sinne zu beeinflussen. Eine stabile Bevölkerungszahl muss das Ziel eines gesunden Staates sein, also soll er darauf hinarbeiten. Dass dies für mich, der ich naturgemäß keine Kinder in die Welt setzen werde, Nachteile bringen kann, ist eine persönlich bedauerliche, aber nicht unrechtmäßige Konsequenz. Anders ausgedrückt: Ich sehe nicht, warum ich als Kinderloser einen Grund zum Jammern hätte.

Was mir allerdings wichtiger erscheint ist der Blick auf das Gesamtbild. Wer denkt an die Paare, die ungewollt kinderlos sind? Wie würden meine Abgaben verwendet werden, um (potentielle) Mütter in ihrer Gebärfreudigkeit zu unterstützen? Springt da am Ende genau so eine Finte wie die Studiengebühren heraus, die ja überhaupt keinen nachweisbaren Effekt auf die Güte der Hochschulen hat? Ich sorge mich darum, dass das Geld nicht im Säckel der Familien, Schulen und Kindergärten landet, sondern in Afghanistan, in Griechenland oder in der Pension von Christian Wulff!

Ich habe kein Problem mit Steuern - aber wenn sie einem Zweck dienen sollen, dann bitte mit Köpfchen. Die verfehlte Familienpolitik von CDU, SPD, Grünen, FDP, PDS (pardon, LINKE!) und Co. macht mir jedenfalls nicht gerade Mut.

Also. Ich kaufe zwei Kinderlose aus der Lostrommel der CDU, aber auf einen Hauptgewinn mache ich mir mal lieber keine Hoffnungen.


Montag, 18. April 2011

Der gute Becquerel

Am Sonntag war in meiner Gemeinde eine Taufe. Und zur Feier gab es auch Wein. Nun gibt es VIELE Weine. Es gibt Merlot, es gibt Cabernet, es gibt Chardonnay... Auf französischen Flaschen findet man dann oft Hinweise wie: "Mis en bouteille en..." (Abgefüllt in...). Das bedeutet, dass die Weintrauben ganz woanders herkommen können.

Eine aus meiner Gemeinde fand nun, es könnten ja auch japanische Trauben sein. Und jetzt kommt mein politisch unkorrekter Humor, der bitte als Kritik an TEPCO verstanden wird... Naja, jedenfalls japanische Trauben in einem französischen Wein.


Das gibt keinen Merlot, keinen Cabernet, sondern einen edlen Becquerel. Ein köstlicher Tropfen. Die leichte Meerwassernote unterstreicht die brillante, nein geradezu strahlende Basisnote des exquisiten Exportschlagers. Auch als Messwein geeignet, man darf erwartungsfroh sein, was man alles darin messen kann. Besonders empfehlen wir den Becquerel vom 2011er Jahrgang, dessen sensationeller Erfolg wie eine Sturmwelle den Markt revolutionierte. Man genießt den vollmundigen, bauchigen Marktneuling am besten bei 2000°C frisch aus dem Containment. Man kann ihn aber auch problemlos bis zu 30 Jahre lagern, der feine Geschmack entfaltet sich auch nach der Halbwertszeit noch frisch und unverbraucht bis zur Schilddrüse. Sie erhalten original Becquerel bei TEPCO, Vattenfall, RWE oder ihrem lokalen CSU-Abgeordneten!

Dienstag, 30. November 2010

Jagd auf einen Mann

Julian Assange, führender Kopf von WikiLeaks, ist momentan der vielleicht unbeliebteste Mann der Welt.

WikiLeaks veröffentlichte eine ganze Reihe von "geheimen" Dokumenten, die unter normalen Umständen nie das Licht der Öffentlichkeit gesehen hätten, und deren Inhalt brisant ist. Es geht um diplomatische Verwicklungen, Staatsdokumente, Einblicke in die Mechanismen der Banken und Wirtschaftswelt.

Natürlich kann WikiLeaks unterstellt werden, dass es vor allem um Stimmungsmache geht, denn die Veröffentlichungen sind spektakulär. Und ob es in jedem Falle klug ist, alle Dokumente zu veröffentlichen, kann wohl auch mit einem entschiedenen Nein beantwortet werden. Für die Betroffenen (große Unternehmen, die USA und viele andere Länder) sind die Offenlegungen aber vor allem eines: Schrecklich peinlich!

Da kommt plötzlich nicht vertrauliches, sondern auch der ganze Schnodder und Schmuddel ans Licht, der sonst hinter verschlossenen Türen stattfindet, und von dem man meint, die Öffentlichkeit nicht darüber aufklären zu müssen. Nun muss man, und das ist ein schmerzhafter, unangenehmer Prozess - und eine Chance, endlich wieder Glaubwürdigkeit und Transparenz in die Gesellschaft zu bringen. Sollte daran ein Interesse bestehen?

In Schweden läuft eine Ermittlung wegen Vergewaltigung gegen Assange - reiner Zufall, dass trotz schwacher Beweislage so massiv gefahndet wird? Wen verwundert es schon, wenn die Mühlen der Justiz für den unbequemen Assange plötzlich ganz neue Töne anschlagen? Am Schicksal von Assange wird sich messen lassen, wie weit her es in der westlichen Welt mit Meinungsfreiheit, Offenheit, Transparenz, Pressefreiheit und freiheitlicher Gesinnung ist (was nicht heißt, dass es dabei nicht auch Geheimnisse geben darf). Ich fürchte allerdings, dass es damit nicht weit her ist, und das könnte Assanges Verhängnis werden. Bereits jetzt dürfte er sich Gedanken machen müssen, wo er sicheres Asyl finden kann.

Behalten wir ihn und seinen Werdegang im Blick. Man darf gespannt sein, welche Blöße sich die Großmächte im Umgang mit ihm geben werden. Umgekehrt werden auch Assanges und WikiLeaks Reaktionen nicht minder heftig ausfallen.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Der Weihnachtsmann stirbt nicht


Westeuropa durchlebt einen interessanten Wandel bezüglich Weihnachten. Es ist der Wandel einer Gesellschaft, die sich von ihren religiösen Ursprüngen (die Werte der Aufklärung und Verfassung sind größtenteils christliche Werte) trennen will, ohne dabei auf ihre Gewohnheiten verzichten zu wollen.

Das beginnt z.B. mit der Wertedebatte. Werte werden als Maßgaben einer höheren Instanz akzeptiert. Da sie sich nicht im Grundgesetz festlegen lassen, bleibt den postmodernen Gesellschaften keine zuverlässige Wertequelle mehr, wie sie früher der verbreitete christliche Glauben oder Parteien waren. Man könnte jede wertgebende Instanz (Religion, Weltanschauung, Philosophie) insofern als religiös bezeichnen, als dass von gewissen Grundwahrheiten (Werten) angenommen wird, dass diese "wahr" und "richtig" sind (dabei handelt es sich um Glaube). Werteverfall ist deshalb die logische Konsequenz der neuen Antireligiösität der Postmoderne. Werte bedeuten letztendlich Einschränkung, und dieses Wort ist unbeliebt wie Fußpilz.

Wie verhält es sich nun mit Weihnachten? Das Fest, dessen Ursprung in der Geburt Jesu Christi vor ca. 2000 Jahren begründet liegt, verdankt seinen gesamten Inhalt einer Religion, die nicht mehr Konsens ist. Während die Person Jesus Christus also nicht mehr von Interesse ist, sind es die Feiertage, gutes Essen, Geschenke etc. schon. Wäre man konsequent, so müsste man auf Weihnachten verzichten, wenn man nicht Christ ist, denn es ist in seinem tiefsten Kern ein religiöses Fest.

Stattdessen wird Weihnachten seiner religiösen Aspekte und damit seines Zweckes beraubt und mit etwas anderem, unkonkretem aufgefüllt. Aus dem Fest der Geburt Jesu Christi wird das Fest der Liebe, das gleichnamig auch als Werbeaktion eines Bordells angeboten werden könnte. Aus den drei Weisen und den Hirten wird der Coca Cola Weihnachtsmann, dessen einziger Lebenszweck im Verschenken von Lifestyle-Artikeln besteht. Aus dem Lied "Tochter Zion" wird das völlig bedeutungsfreie "Jingle Bells", das die extatischen Freuden einer Schlittenfahrt beschreibt.

Das Kind in der Krippe muss schon sehr unbequem sein. Insbesondere deshalb, weil es in seinen besten Jahren stirbt, weswegen wir auch Ostern feiern. Da schon lieber der etwas überdrehte, immer fröhliche Weihnachtsmann. Der stirbt wenigstens nicht.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist sich der Schwachheit des Jesus-Ersatzes bewusst, weswegen gerade zu Weihnachten die Leere der Konsumgesellschaft angeprangert wird. Dennoch: Nichts von alledem würde in dieser Form existieren, wenn die Menschen es nicht wollten.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Ein sauberer Krieg

Quelle: N24.de
Im Moment sind die Nachrichten geprägt von Meldungen über den Tanklasterangriff in Afghanistan. Die scheinheilige Berichterstattung lässt mich sehr an der Qualität der Nachrichten zweifeln. In Afghanistan toben sowohl ein Bürgerkrieg, als auch ein internationaler Krieg, und nun wollen unsere ach so vielschichtig intellektuellen Medien zwischen Zivilisten (= gut) und Kämpfern (= böse) unterscheiden? Das ist eine interessante Schwarz-Weiß-Malerei. Krieg bedeutet, dass Menschen in kämpferischer Auseinandersetzung ihr Leben verlieren. So etwas wie einen "sauberen" Krieg, den unsere Medien fordern, kann es per definitionem nicht geben.

Wir müssen lernen, uns damit abzufinden, dass es nicht "die Guten" und "die Schlechten" gibt, dass es keinen "sauberen" Krieg gibt, dass es keinen "fairen Kampf" gibt oder ähnliches. Ohne Zivilisten gäbe es keine Soldaten und ohne Soldaten keine Zivilisten. Krieg ist unverblümt ausgedrückt immer eine beschissene Situation, in der die sonstigen Regeln ihre Gültigkeit verlieren.

Was ist die Alternative? Unsere Gesellschaft tut gut daran zu lernen, mit Konflikten und Fehlern umzugehen. Demokratien können keinen Krieg führen, den die Bürger nicht billigen, was leider noch immer nicht begriffen wurde. Ein von den Bürgern unterstützter Krieg erfordert aber radikale Aufklärung und Offenlegung der Sachlage. Transparenz und Ehrlichkeit gehören dazu, und die Fähigkeit, Fehler eingestehen und sinnvoll verarbeiten zu können.

Ich fürchte nur, dass in Deutschland lieber weiterhin die Köpfe irgendwelcher Politiker rollen werden, denn das ist so viel einfacher, als sich ernsthaft mit schweren Situationen auseinanderzusetzen. Und wenn Herr zu Guttenberg seinen Posten verliert, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dann wird den Menschen in Afghanistan ja ganz bestimmt geholfen sein. Wie dumm muss man eigentlich sein?

Ein Hoch auf das schöngeistige Gelaber unserer Medien.

Donnerstag, 27. August 2009

Du bist Terrorist!

Unser Land ist im Wandel, und du bist Terrorist:



Fakt ist, dass uns das Recht auf freie Informationsbestimmung längst entglitten ist. Unternehmen, der Staat und Verbrecher haben bereits heute Zugriff auf sensible Daten, die teils freiwillig und teils unfreiwillig herausgegeben wurden. Als Informatiker ist mir klar: Es gibt keine absolute Sicherheit, keine perfekte Lösung für die Datenfrage und vermutlich auch keinen effizienten Datenschutz.

Nicht die Haltung von Daten an sich ist problematisch, sondern der Zugriff darauf. Sobald die Auswertung der Daten beginnt, stellen sich Probleme ein. Das reicht von personalisierte Werbung über künftige Hürden bei Versicherungen, Banken, Krankenkassen und Arbeitgebern bis hin zur Inhaftierung, Überwachung und Druckausübung durch den Staat.

Ein Déjà-Vu aus DDR-Zeiten? Vielleicht.

Im Bezug auf den Überwachungsdrang des Staates stellen sich dabei profunde Fragen: Schafft Überwachung wirklich Sicherheit? (Befunde aus England sprechen dagegen!) Sind mögliche Vergehen einzelner als Rechtfertigung für die tatsächliche Entrechtung aller geeignet? Wollen wir uns wirklich der romantischen Illusion hingeben, dass es so etwas wie 100%ige Sicherheit gibt?

Das Leben besteht aus Kompromissen, und zwar beinahe ausschließlich. Unsere Demokratie kann nur dann funktionieren, wenn diese Kompromisse die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit, zwischen Grundrechten und Ausnahmen finden.

Da sind zum Beispiel Meinungsfreiheit und Recht auf Meinungsäußerung. Wie kann es sein, dass die SPD die Veröffentlichung von Umfragen unterbinden möchte, in denen sie schlecht abschneidet, weil das "die Krise nur noch verschärfen" würde? Kann es sein, dass weite Teile unserer Gesellschaft nicht verstanden haben, wie wichtig Grundrechte sind?

Dienstag, 25. August 2009

Urlaub und die liebe Politik

Die letzte Woche war meine diesjährige Urlaubswoche. Zwar ausgeplant bis auf die letzte Minute, aber alles in allem herrlich erholsam. Ich genieße es, Menschen zu besuchen, die ich mag und die mich mögen. Dass diese Leute in der ganzen Republik verteilt sind, ist ein Vorteil...

Unter anderem hat es mich nach Rostock verschlagen. Die Stadt selbst ist zwar nicht unbedingt schön, aber Warnemünde, Strand, Meer und Fischbrötchen entschädigen für alles. Außerdem konnte ich der Stasi-Gedenkstätte einen Besuch abstatten. Es hat mich sehr bewegt, die perfiden Taktiken der letzten deutschen Diktatur Revue passieren zu lassen. Kein vernunftbegabter Mensch kann sich diese Zeit zurückwünschen. Gleichzeitig entwickelt sich die Bundesrepublik selbst zu einem Land, das sich zunehmend in alle Einzelheiten des Lebens ihrer Bürger drängelt. Bedenkliche Tendenzen, die wahrscheinlich noch immer aus mangelhaftem Demokratieverständnis herrühren. Dazu werde ich in den nächsten Tagen nochmal bloggen...

Nun noch ein Wort zu den anstehenden Wahlen. Ist eigentlich noch irgendjemandem aufgefallen, dass alle Parteien beieinander abschreiben? Der Wahlkampf war noch nie so schlecht geführt (und laaaaangweilig) wie heutzutage. Zum Beweis eine kleine Aufgabe zur Herausforderung: Zähle einen Tag lang die Plakate, die folgendem Muster entsprechen:

Die "Sinnfreien Wahlsprüche" sind zum Beispiel:
  • "Gut für's Land."
  • "Gut für [Name des Ortes]."
  • "Für ein starkes [Name des Ortes]."
Ja, wirklich sehr aussagekräftig. So schafft man Vertrauen!

Also ich wähle ausschließlich anhand der Wahlprogramme, wird ja daraus ersichtlich, was Parteien wollen. Wieso nur werben die Parteien aber mit irgendwelchen Gesichtern, die eh keiner kennt? (Und die obendrein auch nicht so aussehen, als wolle man sie kennen...) Wie kann es sein, dass die "großen" Parteien es nicht schaffen, schlicht und einfach Wahlforderungen auf ihre Plakate zu schreiben? Wie kann es sein, dass die Parteien sich derart weigern, Profil zu zeigen? Und: Für wie dumm hält man uns eigentlich?