Da Europas Kirchgebäude immer öfter leer stehen, kommt es zunehmend vor, dass die Gebäude veräußert werden sollen.
Kirchen sind für ihre Gemeinden oft ein Fluch, denn ihr Erhalt ist teuer, vom Betrieb ganz zu schweigen. Die frierenden Besucher_Innen können im Winter ein Lied davon singen.
Gleichzeitig prägen ihre Kirchtürme die Gesichter der Dörfer. Man orientiert sich an ihnen, verbindet sie mit dem Gefühl von Heimat. Selbst dann, wenn man nie im Leben einen Fuß in sie setzen würde.
Viele wollen Kirchen in ihren Orten sehen, aber bezahlen möchte sie keiner so recht.
So bleibt als einzige Alternative, neue Nutzungsmöglichkeiten zu finden. Besonders in größeren Städten stößt man hier und da auf Büchereien, Kindertagesstätten oder Cafés, wo es früher mal nach alten Gesangbüchern roch.
Insgesamt jedoch ist die Umverzweckung von Kirchen kein großer Renner.
Einerseits mag das daran liegen, dass in Dörfern, wo der letzte Becker schon vor 10 Jahren seine Türen für immer schloss, kein wirtschaftlicher Nutzer gefunden werden kann. Betrieb, Renovierung und Instandhaltung sind für den privaten Sektor nicht einfacher, als für Kirchgemeinden. (Deren Budget ist wenigstens einigermaßen planbar.)
Aber was nicht minder schwer wiegen dürfte: die alten Gemäuer wurden für einen bestimmten Zweck errichtet, und der ist nicht wirtschaftlich, nicht rational, nicht sachorientiert.
Form, Höhe und Schnitt von Kirchen dienen einem spirituellen Zweck, und das haftet diesen Bauwerken an, ist ihre DNA. Kirchen bleiben sonderbare Räume, auch nach aufwändigen Umbauten. Sperrig. Nicht ganz von dieser Welt ergriffen.
Auch das scheuen Investoren.
Was also tun mit diesen Kirchgebäuden, die keine kaufen will, die keiner abreißen will, die keiner nutzen will, die keiner missen will, wo niemand beten will?
Ventil meiner flüssigen und überflüssigen Gedanken
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Donnerstag, 12. September 2019
Wohl und Wehe
Sonntag, 13. November 2016
Gehen mit einem Gedicht
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Wo meine Zeit an Gottes Ewigkeit zerbricht,
sei dies die letzte Zärtlichkeit, der letzte Seelengruß.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
In Worten falten Bilder, Trug und Wahrheit sich,
und durch die Reime wandert noch einmal die Lebenslust.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Es soll die Lebensfäden lösen. dass ich nicht
verwoben bleibe mit dem Hier und dem Verlust.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
In einem dunklen Wort durch einen Spiegel geb ich dem Gesicht,
das mich mit Liebe ansieht, dann den ersten Kuss.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Sie findet meine letzten Worte, sie, durch deren erstes Wort das Licht ins Dunkel bricht,
und wird sie reimen aus der Fülle ihrer Lebensworte Überfluss.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Wo mir kein Wort mehr bleiben wird, erneuert jener Gott, der das Ich-bin-Wort spricht,
für eine neue Ewigkeit den treuen Bundesschluss.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Es soll mich trösten, denn das Leben endet nicht
am Tag, an dem ich gehen muss.
will ich gehen mit einem Gedicht.
Wo meine Zeit an Gottes Ewigkeit zerbricht,
sei dies die letzte Zärtlichkeit, der letzte Seelengruß.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
In Worten falten Bilder, Trug und Wahrheit sich,
und durch die Reime wandert noch einmal die Lebenslust.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Es soll die Lebensfäden lösen. dass ich nicht
verwoben bleibe mit dem Hier und dem Verlust.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
In einem dunklen Wort durch einen Spiegel geb ich dem Gesicht,
das mich mit Liebe ansieht, dann den ersten Kuss.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Sie findet meine letzten Worte, sie, durch deren erstes Wort das Licht ins Dunkel bricht,
und wird sie reimen aus der Fülle ihrer Lebensworte Überfluss.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Wo mir kein Wort mehr bleiben wird, erneuert jener Gott, der das Ich-bin-Wort spricht,
für eine neue Ewigkeit den treuen Bundesschluss.
Am Tag, an dem ich gehen muss,
will ich gehen mit einem Gedicht.
Es soll mich trösten, denn das Leben endet nicht
am Tag, an dem ich gehen muss.
Montag, 7. Juli 2014
CSD Köln 2014
Am vergangenen Wochenende gipfelte in Köln der Christopher Street Day (CSD) in einer großen Parade. Bei gutem Wetter schlenderte eine wahrhaft bunt gemischte Menschenmenge zum Umzug: Familien mit Kindern, Drag Queens (und Kings), Grüppchen von Junggesellinnen, Ledermänner, miteinander ergraute Ehepaare, ... Kurzum: Ein großes Spektakel des Lebens und Leben-Lassens.
Zwei Kilometer weiter eine andere Welt. In der U-Bahn-Station Kalk-Post hält sich eine Gruppe junger Deutsch-Türken auf. Jeder scheint möglichst lautstark darauf bedacht, sich zu profilieren und Eindruck zu schinden. "Ey, der da geht bestimmt auch zu dieser Schwulen-Veranstaltung!" ruft einer. Ein anderer stachelt ihn auf: "Gehst du zu den Schwulen?! Du gehst doch selber zu den Schwulen!" Es entsteht ein längeres hin und her von gegenseitiger Bezichtigung, dass einer zur Parade ginge, und selbstverständlich weist ein jeder den Verdacht weit von sich - alles halb Scherz, halb Ernst. Offensichtlich will keiner von ihnen etwas mit "denen" zu tun haben, doch man spürt ihnen die heimliche Neugier und vielleicht auch etwas Faszination ab. Ihr Gespräch kehrt immer wieder zum scheinbar Verbotenen zurück. Innerhalb dieser Gruppenkonstellation wird wohl keiner von ihnen den Mut und das Selbstbewusstsein aufbringen, drei Stationen weiter zu fahren und sich einfach sein eigenes Bild zu machen. Ich bedaure sie heimlich wegen der Grenzen, die ihnen ihre Kultur und Sozialisation gesetzt hat.
Ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, wenn sich einer von ihnen tatsächlich zur Parade traute. Wie würde er reagieren auf eine über 2 Meter hohe und verbal schlagfertige Drag Queen? Was sollte er von einem der muskelbepackten "Bären" halten, dessen fast schon überzeichnete Männlichkeit so gar nicht dem Vorurteil der "weibischen Tunte" entspricht? Welche Gedanken würde er haben angesichts von Menschen, die sich eben nicht auf den ersten Blick einem männlichen oder weiblichen Rollenbild zuordnen lassen, für die diese Bezeichnungen womöglich ganz und gar unpassend sind? Ich muss lächeln bei dem Gedanken, dass die meist gut parfümierten, perfekt frisierten und sehr auf ihr Äußeres bedachten Jung-Türken ja unfreiwillig selbst ins Klischee des effeminierten Schwulen passen. Sicher, das ist vor allem kulturell bedingt, aber es entbehrt einer gewissen Komik nicht.
Letzten Endes ermöglicht der CSD vor allem eines: Wahrnehmen anderer Menschen als Menschen. Jenseits der schönen Schubladen, in die man sie sonst so gerne gesteckt hätte. Wer einfach einmal neben einem Transsexuellen oder in einer Gruppe heiterer Lesben steht und gemeinsam eine Bratwurst und ein Kölsch verdrückt, der verliert die Scheu der Ahnungslosigkeit, und das christliche Abendland (bzw. das islamische Morgenland) geht darüber auch nicht unter.
À propos christliches Abendland: Im Rahmen des CSD fanden gleich mehrere Gottesdienste statt, vor allem auch durch Anregung und unter Gestaltung durch die LGBTIQ-Community. Ich finde es bemerkenswert, dass hier Menschen die Arme ausstrecken nach einer Religion, deren Vertretern sie - weiß Gott - wenig gutes zu verdanken haben. Schritte der Versöhnung, die dem CSD seinen Wert verleihen.
Zwei Kilometer weiter eine andere Welt. In der U-Bahn-Station Kalk-Post hält sich eine Gruppe junger Deutsch-Türken auf. Jeder scheint möglichst lautstark darauf bedacht, sich zu profilieren und Eindruck zu schinden. "Ey, der da geht bestimmt auch zu dieser Schwulen-Veranstaltung!" ruft einer. Ein anderer stachelt ihn auf: "Gehst du zu den Schwulen?! Du gehst doch selber zu den Schwulen!" Es entsteht ein längeres hin und her von gegenseitiger Bezichtigung, dass einer zur Parade ginge, und selbstverständlich weist ein jeder den Verdacht weit von sich - alles halb Scherz, halb Ernst. Offensichtlich will keiner von ihnen etwas mit "denen" zu tun haben, doch man spürt ihnen die heimliche Neugier und vielleicht auch etwas Faszination ab. Ihr Gespräch kehrt immer wieder zum scheinbar Verbotenen zurück. Innerhalb dieser Gruppenkonstellation wird wohl keiner von ihnen den Mut und das Selbstbewusstsein aufbringen, drei Stationen weiter zu fahren und sich einfach sein eigenes Bild zu machen. Ich bedaure sie heimlich wegen der Grenzen, die ihnen ihre Kultur und Sozialisation gesetzt hat.
Ich stelle mir vor, wie es wohl wäre, wenn sich einer von ihnen tatsächlich zur Parade traute. Wie würde er reagieren auf eine über 2 Meter hohe und verbal schlagfertige Drag Queen? Was sollte er von einem der muskelbepackten "Bären" halten, dessen fast schon überzeichnete Männlichkeit so gar nicht dem Vorurteil der "weibischen Tunte" entspricht? Welche Gedanken würde er haben angesichts von Menschen, die sich eben nicht auf den ersten Blick einem männlichen oder weiblichen Rollenbild zuordnen lassen, für die diese Bezeichnungen womöglich ganz und gar unpassend sind? Ich muss lächeln bei dem Gedanken, dass die meist gut parfümierten, perfekt frisierten und sehr auf ihr Äußeres bedachten Jung-Türken ja unfreiwillig selbst ins Klischee des effeminierten Schwulen passen. Sicher, das ist vor allem kulturell bedingt, aber es entbehrt einer gewissen Komik nicht.
Letzten Endes ermöglicht der CSD vor allem eines: Wahrnehmen anderer Menschen als Menschen. Jenseits der schönen Schubladen, in die man sie sonst so gerne gesteckt hätte. Wer einfach einmal neben einem Transsexuellen oder in einer Gruppe heiterer Lesben steht und gemeinsam eine Bratwurst und ein Kölsch verdrückt, der verliert die Scheu der Ahnungslosigkeit, und das christliche Abendland (bzw. das islamische Morgenland) geht darüber auch nicht unter.
À propos christliches Abendland: Im Rahmen des CSD fanden gleich mehrere Gottesdienste statt, vor allem auch durch Anregung und unter Gestaltung durch die LGBTIQ-Community. Ich finde es bemerkenswert, dass hier Menschen die Arme ausstrecken nach einer Religion, deren Vertretern sie - weiß Gott - wenig gutes zu verdanken haben. Schritte der Versöhnung, die dem CSD seinen Wert verleihen.
Montag, 19. Mai 2014
Manfreds Psalm
(In Antwort auf Psalm 119, 136-145)
Herr, Du bist nicht gerecht
und Deine Entscheide sind nichtig.
Du hast nicht gerechte Vorschriften erlassen,
dies aber in großer Treue.
Der Eifer für Dich verzehrt meine Feinde
und ich vergesse absichtlich Deine Worte.
Deine Worte sind verschmutzt
durch die Sünde Deiner Kinder,
aber Deine Knechte haben sie dennoch lieb.
Ich bin gering und verachtet,
vergesse nie Deine Befehle
und achte mich selbst daher als gering.
Ist Deine Weisung Wahrheit?
Deine Gerechtigkeit bleibt nicht Wahrheit,
denn nichts bleibt (Wahrheit) in dieser Deiner Welt.
Doch als mich Not und Bedrängnis trafen,
gaben Deine Worte mir Halt, Trost und Mut
und machten mich froh.
Ich werde es nie verstehen,
denn Deine Vorschriften sind nicht auf ewig gerecht.
Gib mir bitte die richtige Einsicht und Erkenntnis,
damit ich endlich lebe.
Herr, Du bist nicht gerecht
und Deine Entscheide sind nichtig.
Du hast nicht gerechte Vorschriften erlassen,
dies aber in großer Treue.
Der Eifer für Dich verzehrt meine Feinde
und ich vergesse absichtlich Deine Worte.
Deine Worte sind verschmutzt
durch die Sünde Deiner Kinder,
aber Deine Knechte haben sie dennoch lieb.
Ich bin gering und verachtet,
vergesse nie Deine Befehle
und achte mich selbst daher als gering.
Ist Deine Weisung Wahrheit?
Deine Gerechtigkeit bleibt nicht Wahrheit,
denn nichts bleibt (Wahrheit) in dieser Deiner Welt.
Doch als mich Not und Bedrängnis trafen,
gaben Deine Worte mir Halt, Trost und Mut
und machten mich froh.
Ich werde es nie verstehen,
denn Deine Vorschriften sind nicht auf ewig gerecht.
Gib mir bitte die richtige Einsicht und Erkenntnis,
damit ich endlich lebe.
Montag, 17. März 2014
Nanu nanu, wer wird denn so wütend sein?
Wer sich die Kommentare zum Video anschaut, muss einen sehr eigenartigen Eindruck von unserer Gesellschaft bekommen. Ist Deutschland voller Menschen, die Angst um ihre Geschlechtsidentität haben... wegen eines Films? Sind so viele Menschen nur wegen heteronormativer Wertbilder in der Kirche und verlassen sie nun entrüstet? Werden abertausende Deutsche nachts umgetrieben von der angeblichen Unmoral der EKD? Hat die "Gute Nachricht" so viele Menschen nicht erreicht, ist aus ihr eine bittere Saat gewachsen?
Wir Deutsche sind ein Volk von Bedenkenträgern, Zynikern, Nein-Sagern und Verstimmten, und im Schutz der Anonymität schreibt so mancher, was er bei Tage niemandem ins Gesicht sagen würde. Und dennoch: Es ist bestürzend, wie sich eine Welle des Shitstormings und Trollings über das Video ergießt - gerade auch von jenen, die sich als glaubensfern und atheistisch bezeichnen. Mich erstaunt, wie viele (Männer?) eine große Wut auf den Feminismus und die Gendertheorie haben, deren Leistung ja eigentlich gerade nicht in der Gleichmachung von Geschlechtern liegt, sondern im Bewusstmachen von Unterschieden - von denen es offenbar sehr viel mehr gibt, als nur den einen kleinen. Da ist soviel Nicht-Wissen auf der einen, und so viel Spott auf der anderen Seite.
Unverholen wird die EKD als "Säue" beschimpft, wird die evangelische Kirche in die Hölle verdammt und ihr der Tod gewünscht. Todesdrohungen sind in Deutschland strafbar! Ob den Kommentierenden noch klar ist, dass sie von Menschen sprechen? Wie absurd, dass der Mob der Trolls sich dabei just so gebärdet, wie die Hexenjäger im Mittelalter. Das geht also auch ohne Kirche, sieh mal einer an.
Für die EKD und die Macher des Videos hoffe ich, dass vor allen Dingen eines hängen bleibt: Ihr seid da auf etwas wichtiges gestoßen! Tot wäre diese Kirche gerade dann, wenn sie sich nicht mehr trauen würde, Mauern einzureißen und Grenzen zu überschreiten, die Menschen voneinander und von Gott trennen. Tot wäre sie, wenn sie nicht mehr Heimat und Zuflucht der Verschmähten, der Unterdrückten, der Minderheiten wäre. Tot wäre sie, wenn sie den Menschen keine offene Hand mehr entgegenstreckt, wenn sie "die eine Tür" nicht mehr öffnen würde. Tot wäre sie, wenn sie aus dem Zorn der wenigen die Unfreiheit der vielen werden ließe.
Unsere Gesellschaft braucht die "Gute Nachricht" - sie benötigt Versöhnung, Frieden, Miteinander, mehr denn je. Eine Tür ist genug!
Montag, 7. Oktober 2013
Die katholische Kirche...
... möchte Geschiedene und Wiederverheiratete eventuell wieder zur Kommunion zulassen?
Um Himmels Willen, wie kommt sie überhaupt darauf, jemanden von der Kommunion ausschließen zu dürfen!?! Klingt nicht nach dem, was Jesus getan hätte, denn seine Einladung zum Abendmahl gehört schließlich ihm selbst und keiner Institution.
2000 Jahre... das ist eine lange Zeit. Endlich wird es Zeit für etwas Gnade, oder?
Um Himmels Willen, wie kommt sie überhaupt darauf, jemanden von der Kommunion ausschließen zu dürfen!?! Klingt nicht nach dem, was Jesus getan hätte, denn seine Einladung zum Abendmahl gehört schließlich ihm selbst und keiner Institution.
2000 Jahre... das ist eine lange Zeit. Endlich wird es Zeit für etwas Gnade, oder?
Montag, 15. April 2013
Warum ist die Bibel fertig?
Wenn...
- ... es Gott gibt und die Bibel mit Gott zu tun hat.
- ... die Bibel von Menschen aufgeschrieben wurde.
- ... die Bibel über Erfahrungen von Menschen mit Gott berichtet.
- ... Menschen heute immer noch Erfahrungen mit Gott machen.
Warum...
- ... wird die Bibel dann nicht fortgeführt?
- ... zählt die Bibel dann als wichtigere Instanz im Vergleich zu anderen christlichen Büchern?
Fragen über Fragen...
Mittwoch, 27. Februar 2013
Die Poesie der Bibel
Die Bibel ist ein Buch mit vielen Rätseln, mit Ungereimtheiten, Widersprüchen, guten Gedanken und Fragezeichen. Aber bisweilen ist sie auch poetisch. Und damit meine ich nicht etwaige Reime oder Versmaße, denn diese gehen ja bei der Übersetzung üblicherweise verloren.
Die Poesie steckt in den Motiven der biblischen Geschichten, die sich wiederholen. Symbole und zentrale Kernaussagen werden immer wieder aufgegriffen, in weiteren Kontext gesetzt und vertieft.
Das zeigt sich am deutlichsten an den alttestamentlichen Prophezeiungen. Diese werden oft nicht nur einmal erfüllt, sondern mehrfach - oft mit zeitlich großem Abstand.
Auf diese weise spannt das Alte Testament einen Bogen ins Neue Testament - und zwar einen äußerst poetischen Bogen. Schauen wir uns zwei Beispiele an:
Die beiden Geschichten sind durch ihre Symbole und Inhalte miteinander poetisch verknüpft, obwohl sie an ganz unterschiedlichen Stellen stehen und keinen unmittelbaren Zusammenhang teilen.
Die beiden Geschichten sind durch ihre Symbole und Inhalte miteinander poetisch verknüpft, obwohl sie an ganz unterschiedlichen Stellen stehen und keinen unmittelbaren Zusammenhang teilen.
Die Poesie steckt in den Motiven der biblischen Geschichten, die sich wiederholen. Symbole und zentrale Kernaussagen werden immer wieder aufgegriffen, in weiteren Kontext gesetzt und vertieft.
Das zeigt sich am deutlichsten an den alttestamentlichen Prophezeiungen. Diese werden oft nicht nur einmal erfüllt, sondern mehrfach - oft mit zeitlich großem Abstand.
Auf diese weise spannt das Alte Testament einen Bogen ins Neue Testament - und zwar einen äußerst poetischen Bogen. Schauen wir uns zwei Beispiele an:
Beispiel 1
Gottes Mahl bei Abraham | Jesu Mahl mit den Jüngern (Abendmahl) |
| 1. Mose 18, 1-15 | Mt 26,17–29, Mk 14,12–26, Lk 22,14–20, Joh 13,2–4 |
| Drei Männer (= Gott) begegnen Abraham | Der dreieinige Gott (Vater, Sohn, Heiliger Geist) begegnet den Jüngern |
| Vorher: Abrahams Zukunft bringt nur noch seinen eigenen Tod und die Zerstreuung seiner Menschen in alle Winde | Vorher: Die Zukunft bringt den Tod Jesu und die Zerstreuung der Jünger in alle Winde |
| Gott speist mit Menschen | Gott speist mit Menschen |
| Nachher: Abrahams Zukunft beinhaltet Leben (seinen Sohn) | Nachher: Die Zukunft der Jünger beinhaltet Leben (Jesu Leben, ewiges Leben) |
| Gott gibt Abraham ein ewiges Versprechen | Gott gibt allen Menschen ein ewiges Versprechen |
| Das Mahl findet in der heißesten, schlimmsten Mittagshitze statt | Das Mahl findet in der dunkelsten, schlimmsten Nacht statt |
Die beiden Geschichten sind durch ihre Symbole und Inhalte miteinander poetisch verknüpft, obwohl sie an ganz unterschiedlichen Stellen stehen und keinen unmittelbaren Zusammenhang teilen.
Beispiel 2
Mose im Körbchen im Nil | Jesu Taufe |
| 2. Mose 2, 1-10 | Mt 3, 13-17 |
| Mose wird einmal Führer eines großen Volkes | Jesus wird zum Hirten der gesamten Kirche |
| Vorher: Moses Zukunft bringt den Tod | Vorher: Die Zukunft aller Menschen bringt den Tod |
| Durch das Wasser hindurch wird Mose gerettet | Durch das Wasser hindurch wird Jesus bestätigt und damit alle Menschen gerettet |
| Die Errettung geschieht durch einen mächtigeren (Pharaos Tochter) | Die Errettung geschieht durch einen mächtigeren (Gott) |
| Mit der Rettung verknüpft sich ein Statuswandel: Mose steigt zur Herrscherkaste auf | Mit der Rettung verknüpft sich ein Statuswandel: Jesus steigt zum offenkundigen Sohn Gottes auf |
| Das Wasser ist Mittel zum Zweck | Das Wasser ist Mittel zum Zweck |
Die beiden Geschichten sind durch ihre Symbole und Inhalte miteinander poetisch verknüpft, obwohl sie an ganz unterschiedlichen Stellen stehen und keinen unmittelbaren Zusammenhang teilen.
Freitag, 22. Februar 2013
Gott, Inge und Renate
Köstlich! Ich wusste ja insgeheim immer, dass Gott weiblich ist. Sogar doppelt!
Mittwoch, 13. Februar 2013
Die Bibel steckt voller Widersprüche...
Wenn mir früher jemand sowas gesagt hätte, so hätte ich ihm oder ihr mutig erwidert: "Ach ja? Wo denn genau?" Und in der Tat, meistens erntet man dann ja verhaltenes Schweigen, die Grillen zirpen und ein einsamer Dornenstrauch rollt über die Straße vor dem Saloon.
Dabei ist die Bibel keineswegs widerspruchsfrei. Ganz im Gegensatz! Sie ist gespickt mit Stellen, die sich aneinander reiben und bei denen man mit naiver Logik nicht weiterkommt. Beispiel gefällig!? Kommt sofort!
Die Geschichte rund um Abraham und Sara. In 1. Mose 18, 11 erfahren wir, dass die beiden noch immer kinderlos sind (trotz Versprechungen Gottes), und dass Sara wohl auch schon jenseits der Menopause zu sein scheint. Und so richtig Lust haben Sara und Abraham auch schon nicht mehr aufeinander. Beide sind alt und verbraucht.
Warum gibt Abraham dann in 1. Mose 20 seine Frau Sara (mal wieder) als seine Schwester aus? Richtig, weil er Angst davor hat, dass seine Mitbürger ihn ihretwegen töten, damit sie etwas Spaß mit Sara haben können. Und in der Tat ist Sara offenbar so ein scharfer Dübel, dass König Abimelech sie zur Frau nimmt.
Sinnvoll? Logisch? Keine Widersprüche? ... Hm ...
Gleiche Bibelstelle, anderes Beispiel. In 1. Mose 18, 6 bis 8 setzt Abraham Gott eine Mahlzeit vor. Erst nach dieser Mahlzeit verkündet Gott Abraham einen konkreten Zeitpunkt für die Geburt seines Sohnes Isaak. Nun speist Gott bei Abraham, dem Gründervater des Volkes Israel, und was isst er da? Eine unkoschere Mahlzeit (Milch und Fleisch beisammen). Wie soll ein Jude oder Israelit das verstehen, der in den Speisegesetzen lernt, was "man nicht isst"? Hält Gott sich denn nicht selbst an die Regeln, die er anderen aufbürdet?
Drittes Beispiel: Die zwölf Stämme Israels stammen gleich von 4 Müttern (!) ab, Jakob war fleißig zu Gange mit Lea, Rahel, Bilha und Silpa. Aber dann später, in 3. Mose 19, 19 bzw. 5. Mose 22, 11 (und auch anderswo) steckt Gott fest: "Zweierlei ist mir zuwider!" Aber ausgerechnet sein erwähltes Volk ist nicht nur zweierlei oder dreierlei, sondern viererlei? (Ist mir nicht einerlei, so eine Schweinerei...) Dieses Beispiel zeigt, dass selbst in der Metaphorik zahlreiche Geschichten der Bibel bereits von Anfang an den Kern eines Konflikts beinhalten.
Es ist also keine gute Idee, die Bibel an allen Stellen wörtlich zu nehmen. Man braucht oft viel mehr Köpfchen, um von der Erzählung zu abstrahieren und eine Vermutung über die göttliche Absicht dahinter aufzustellen. Schlechte Nachrichten für Fundamentalisten...
Samstag, 29. Dezember 2012
Nachdenkliches für die Zeit zwischen den Stühlen
Leere Hände
Sven pustete in seine Fäuste um sich zu wärmen. Was für ein eiskalter Winter! Selbst Lena, seine Hündin, schüttelte sich und winselte zum Erbarmen. Zu Weihnachten, wenn alle Geschäfte schlossen und sich die Straßen langsam leerten, da war es am allerschlimmsten. Und in diesem Jahr fand man nicht einmal in den U-Bahn-Haltestellen oder den Wartehäuschen Schutz vor dem eisigen Wind. Wenn all die Spießer in ihren geheizten Wohnkäfigen saßen und blöde Geschenke auspackten, dann war Sven eigentlich nicht so undankbar für ein Leben auf der Straße. In diesem Jahr war es anders. Mochten die Spießer Spießer sein, aber eine Heizung... Sven war bestimmt nicht leicht klein zu kriegen, aber die Nachte hatte ihn angekratzt und er schlotterte heimlich auf der Bank.
So kam es, dass er hier, an diesem unwahrscheinlichen Ort war, wo keine zehn Pferde ihn sonst hingezogen hätten. Er hatte sich in den katholischen Morgengottesdienst der Aegidienkirche gesetzt. Es war der früheste Gottesdienst an diesem ersten Weihnachtsfeiertag, und die große Kirche zwar nicht warm, aber wenigstens die Bänke verfügten über eine bescheidene Heizung unter der Sitzfläche. Von dem Gottesdienst hatte Sven nicht viel mitbekommen. Die seltsamen Lieder kannte er nicht, die alberne Aufmachung des Gurus da vorne verstand er nicht, Gott hielt er für einen billigen Trost, und das ständige Hinsetzen und Aufstehen fand er so dämlich, dass er gleich sitzen blieb. Auf dem warmen Platz. Billiger Trost, dieser Gott, aber seine Wohnstube kam Sven diesmal wirklich nicht ungelegen, das musste er auch zugeben.
Die Dame in ihrem Pelznerz, die vorhin etwas von ihm weggerutscht war, schaute immer wieder argwöhnisch auf Lena, die erschöpft zu Svens Füßen kauerte. Sven fühlte ihren bohrenden Blick - und ignorierte ihn. Schließlich konnte er Lena draußen schlecht erfrieren lassen.
Nach einer Weile hörte Sven vertrautes Geklimper. Wenige Momente später tauchte ein blauschwarzes Säckchen unter Svens Nase auf. Die Nerzdame hielt es ihm vorwurfsvoll vor das Gesicht. Er schaute weg. Sie schüttelte das Säckchen. Sven starrte sie an. Dann zog er die Hände hervor, auf die er sich gesetzt hatte, in der Hoffnung, dass das Beutelchen weitergehen würde. Er kramte verlegen in seinen zerschlissenen Taschen herum. Leer. Natürlich leer. Am 25. Dezember früh morgens gab es keinen, den man um ‘nen Euro anschnurren konnte, ein mieser Termin für’s Business. Die Dame schüttelte den Beutel wieder. Sven wurde nervös. Heimlich riss er sich einen Kopf von dem Ärmel, der der Nerz-Schnepfe abgewandt war. Dann warf er den Knopf möglichst geräuschvoll in das Beutelchen und grinste doof. Die olle Tante grinste auch, und zwar ebenfalls doof. Dann drehte sie sich wieder um. Sven dachte: “Scheiß drauf, lieber warme Hände als ein dämlicher Knopf an der Jacke.”
Mittwoch, 26. September 2012
Sakrament nochamoi!
Die katholische Kirche legt sich ein Ei. "Sakramente nur für Steuerzahler" titeln die heute-Nachrichten. Wer sich den Artikel durchliest und sich mit der Sache beschäftigt, kommt ins Nachdenken, denn an diesem Fall entzünden sich gleich mehrere Feuer, die schon seit langem brodeln.
Aber nicht diese Vermischung schürt den eigentlichen Unmut. Es ist die kleine, aber beschauliche Zahl, die auf der Gehaltsabrechnung auftaucht. Deutschland bildet sich viel darauf ein, eine Dienstleistungsgesellschaft zu sein, und so verwundert die Frage nicht:
Staat und Kirche - getrennt, oder doch nicht?
Eine strenge Trennung zwischen Staat und Kirche gibt es in Deutschland nicht, und für viele ist die Kirchensteuer der erste Beweis dafür. In der Kirchensteuer vermischen sich hoheitliche Aufgaben des Staates mit den organisatorischen Bedürfnissen der Amtskirchen.Aber nicht diese Vermischung schürt den eigentlichen Unmut. Es ist die kleine, aber beschauliche Zahl, die auf der Gehaltsabrechnung auftaucht. Deutschland bildet sich viel darauf ein, eine Dienstleistungsgesellschaft zu sein, und so verwundert die Frage nicht:
Was kriege ich eigentlich für meine Kirchensteuer?
Die Amtskirchen nutzen die Kirchensteuer, um Löhne und Gehälter ihrer Angestellten zu zahlen, Gebäude intakt zu halten (damit "die Kirche im Dorf bleibt"), soziale und humanitäre Aufgaben wahrzunehmen. Nun gibt es zwei Sorten von Menschen, die Mitglieder der Kirche sind:| Volksgläubige | Religiöse |
| ... gehen bestenfalls zu Weihnachten, zu Taufen, Beerdigungen und zu Gottesdiensten anlässlich einer Trauung in die Kirche und haben sonst kaum Berührungspunkte mit der Institution. | ... sind teilnehmend, oft auch aktiv. Als dem-Glauben-zugewandte tragen sie das inhaltliche Gerüst der Kirchen. |
Volksgläubige Menschen bilden die absolute Mehrheit der Kirchenmitglieder, aber beide Gruppen fühlen sich wechselseitig benachteiligt. Die Religiösen ärgern sich über die "desinteressierten Volksgläubigen", die nur "aus Spaß und Lifestyle" die Kirchen aufsuchen und eigentlich keinen Bezug zum Glauben zu haben scheinen. Sie, die immer da sind und mitarbeiten, empfinden sich als Dienstleister für die, die ohne persönliches Anliegen zu Sonderanlässen auftauchen, den Glauben für ihre Wünsche zu instrumentalisieren scheinen und dreist Forderungen stellen.
Die Volksgläubigen wiederum sehen sich als zahlende Kunden, die einen Anspruch darauf haben, in wichtigen Lebensphasen die Dienste von Pfarrer und Kirche in Anspruch nehmen zu dürfen. Abgesehen von wenigen Gelegenheiten, bei denen sie die Kirchen aufsuchen, haben sie ja nichts von ihren Zahlungen.
Sind Sakramente käuflich? Was ist die Kernaufgabe des Glaubens?
Beide Gruppen sitzen einem Irrtum auf. Dieser Irrtum zeigt sich, wenn man sich auf die Kernaufgabe christlichen Glaubens konzentriert: Die Ehrung Gottes. Aufgabe von Kirche ist es, Gott durch ihr Denken und Tun Ehre zu machen.
Irrtum Nummer 1: Ich zahle, also kriege ich
Als volksgläubiger Mensch muss man sich die Frage stellen lassen, ob das eigene Handeln mit der Kernaufgabe in Einklang steht. Ehrt es Gott, wenn er (oder sie?) die meiste Zeit des Jahres außen-vor bleibt, und nur zu Weihnachten ein Rolle als Verschönerung spielt? Ehrt es Gott, wenn man die Gemeinschaft mit Schwestern und Brüdern meidet? Ehrt es Gott, wenn ich aus dem Glauben an das Gandengeschenk einen Glauben an die Gnadenware mache? Nein - es ehrt Gott nicht. Wenn Glauben nicht Herzensanliegen und Lebensanker ist, dann hat man sich den Reichtum des Glaubens längst verspielt. Daran ändert dann auch die Kirchensteuer nichts, und wenn sie noch so hoch ist. Die Kirchensteuer ist und bleibt faktisch ein Mitgliedsbeitrag im "Verein" Amtskirche, und es ist dieser "Verein", der die Regeln festlegt, was damit geschieht. Ohne Glaube sind Sakramente lediglich hohles Ritual.
Irrtum Nummer 2: Ich zahle nicht, also kriege ich nicht
Als Gläubiger muss man sich dem Problem von der anderen Seite nähern. Die Kirchen werden kleiner. Sie schrumpfen. Unsere Gesellschaft ist in weiten Teilen längst von Beliebigkeit geprägt. Ehrt es nun Gott, wenn ich die Menschen wegschicke, die einen Segen, einen Trost, einen Zuspruch wünschen? Ehrt es Gott, wenn wir die Wahrheit für uns pachten und selbst entscheiden, wer würdig ist, und wer nicht? Ehrt es Gott, wenn ich aus dem Glauben, der alle einlädt, einen Glauben an Vereinsmitgliedschaft und Ausgrenzung mache? Nein - es ehrt Gott nicht. Wenn Glauben nicht Platz hat für andere, wenn Institution über Liebesgebot steht, dann hat man sich den Reichtum des Glaubens längst verspielt. Daran ändert dann auch ein Ausschluss von Nichtmitgliedern an den Sakramenten nichts, und wenn man noch so streng ist. Erwartet man denn wirklich, dass jemand es sich durch diesen Druck anders überlegt und in der Kirche bleibt? Ist denn damit Glaube gerettet oder irgendetwas verbessert? Nein.
Was soll nun werden?
Die Kirche steht vor Veränderungen, vor großen Veränderungen. Menschen werden sich daran gewöhnen müssen, dass es nicht mehr genügend Pfarrer und Pastoren gibt, dass die nächste Amtsgemeinde weit entfernt ist, dass sich der Gedanke an eine dienstleistende Kirche als Fantasterei entpuppt. Vielleicht werden sie sich sogar daran gewöhnen müssen, dass es keine Kirche mehr gibt, wenn sie nicht selbst Teil davon sind. Kirche kann nur genau das sein, was ihre Mitglieder daraus machen. Deswegen schrumpfen die Kirchen im Moment, vielleicht ist es ein Gesundschrumpfen. Das Debakel um Sakramente und Kirchensteuer ist ein unrühmlicher Meilenstein auf dem Weg einer Kirche, die auf die harte Tour lernen muss, dass auf kurz oder lang alles an ihr absterben wird, was Menschen nicht für Jesus Christus begeistert.
Freitag, 21. September 2012
Irgendwo in Mülheim
"Höret zu! Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen. Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel unter dem Himmel und fraßen's auf. Etliches fiel in das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte; und ging bald auf, darum daß es nicht tiefe Erde hatte. Da nun die Sonne aufging, verwelkte es, und dieweil es nicht Wurzel hatte verdorrte es. Und etliches fiel unter die Dornen; und die Dornen wuchsen empor und erstickten's, und es brachte keine Frucht. Und etliches fiel auf ein gutes Land und brachte Frucht, die da zunahm und wuchs; etliches trug dreißigfältig und etliches sechzigfältig und etliches hundertfältig. Und er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat, zu hören, der höre!" (Markus 4, 3-9)
Donnerstag, 23. August 2012
Ich bin...
Manchmal greift moderne Popmusik unfreiwillig Motive auf, die schon sehr sehr alt sind. Ein solches Motiv schnappte sich Gloria Gaynor mit ihrem Lied "I Am What I Am". Das Lied handelt davon, sich die Lebensfreude und Eigenheiten nicht von anderen madig machen zu lassen. Da es mit diesem Inhalt besonders in der LGBT Community freudig aufgegriffen wurde, galt das Lied bald als Schwulenhymne.
Wenn man sich den Titel des Liedes übersetzt, findet man aber noch eine ganz andere Verbindung: "Ich bin, was ich bin". Sagt nicht Gott selbst über sich: "Ich bin, der ich bin" bzw. "Ich werde sein, wer ich sein werde"? Und dann die Ich-Bin-Worte Jesus im Neuen Testament.
Also übersetze ich den Text des Liedes einmal auf Deutsch, und ich lade dazu ein, das Lied aus den Augen Gottes zu betrachten, als würde Gott selbst die Verse singen. Es lohnt sich, versprochen:
Ich bin, was ich bin
Ich bin, was ich bin, ich bin meine ganz eigene Schöpfung.
Also sieh her, gib mir 'nen Laufpass oder Beifall.
Es ist meine Welt, für die ich etwas Stolz empfinden möchte,
meine Welt - und sie ist kein Ort, an dem ich mich verstecken müsste.
Das Leben ist keinen Pfifferling wert,
wenn du nicht sagen kannst: Ich bin, was ich bin.
Ich bin, was ich bin. Ich will kein Lob, ich will kein Mitleid.
Ich hau auf meine Pauke, manche nennen es Krach, aber ich finde es schön.
Was ist also dran, wenn mir jeder Klimbim daran gefällt,
warum nicht einfach mal alles aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Dein Leben ist eine Mogelpackung,
bist du es rufen kannst: Ich bin, was ich bin.
Ich bin, was ich bin, und dafür muss ich mich nicht entschuldigen.
Ich spiele meine Karten, manchmal die Ässer, manchmal die Luschen,
Es ist ein Leben, und es gibt kein Pfand und kein Zurück,
ein Leben, also mach die Käfigtür auf.
Das Leben ist keinen Pfifferling wert,
bist du es rufen kannst: Ich bin, was ich bin.
Wenn man sich den Titel des Liedes übersetzt, findet man aber noch eine ganz andere Verbindung: "Ich bin, was ich bin". Sagt nicht Gott selbst über sich: "Ich bin, der ich bin" bzw. "Ich werde sein, wer ich sein werde"? Und dann die Ich-Bin-Worte Jesus im Neuen Testament.
Also übersetze ich den Text des Liedes einmal auf Deutsch, und ich lade dazu ein, das Lied aus den Augen Gottes zu betrachten, als würde Gott selbst die Verse singen. Es lohnt sich, versprochen:
Ich bin, was ich bin
Ich bin, was ich bin, ich bin meine ganz eigene Schöpfung.
Also sieh her, gib mir 'nen Laufpass oder Beifall.
Es ist meine Welt, für die ich etwas Stolz empfinden möchte,
meine Welt - und sie ist kein Ort, an dem ich mich verstecken müsste.
Das Leben ist keinen Pfifferling wert,
wenn du nicht sagen kannst: Ich bin, was ich bin.
Ich bin, was ich bin. Ich will kein Lob, ich will kein Mitleid.
Ich hau auf meine Pauke, manche nennen es Krach, aber ich finde es schön.
Was ist also dran, wenn mir jeder Klimbim daran gefällt,
warum nicht einfach mal alles aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Dein Leben ist eine Mogelpackung,
bist du es rufen kannst: Ich bin, was ich bin.
Ich bin, was ich bin, und dafür muss ich mich nicht entschuldigen.
Ich spiele meine Karten, manchmal die Ässer, manchmal die Luschen,
Es ist ein Leben, und es gibt kein Pfand und kein Zurück,
ein Leben, also mach die Käfigtür auf.
Das Leben ist keinen Pfifferling wert,
bist du es rufen kannst: Ich bin, was ich bin.
Freitag, 20. Juli 2012
Lesen, Lieben, Denken, Sein
Lesen, Lieben, Denken, Sein,
müssen Wege finden.
Fällt mir nicht auf alle Fragen eine Antwort ein,
Lesen, Werden, Denken, Lieben,
werde ich mir meinen Gott verbiegen?
Schwer wiegen die Warnungsworte eines Freundes,
treiben meine Seele um.
Kann mich nicht daran erfreu’n, es
ist der Hinweis, ob es stimmt,
dass mein Gott nun meine Wege nimmt.
Kann man seine Augen schließen,
und nicht in die Tiefe geh’n?
Freundschaft heißt auch Blutvergießen,
Mut und Ehrlichkeit sind rar.
Fragen an den Menschen, der ich gestern war.
Hab ich mich versklaven lassen,
oder habe ich versklavt?
Darf ich mir den Mut anmaßen
achtlos über Grenzen nun zu lieben,
oder heißt das, nahe Ufer unerreichbar fortzuschieben?
Bin ich stumm und taub geworden
gegenüber dem, was zählt?
Welcher Geist wohnt in den Worten
die ich rede, die du sprichst?
Glaub’ ich, dass du etwas wichtiges vergisst.
Werd’ ich bleiben bei den Bildern,
die mir meine Lebenswege
von dem Einen, der da ist, bunt schildern?
Nein, sagst du, doch ich will meinen:
mir steht auch wirklich nicht der Sinn nach deinen.
Lesen, Lieben, Denken, Bleiben,
und ich lass das zweite nicht.
Werden wir uns oft noch dran zerreiben,
weiß ich, dass mein Gott mich liebt!
Fragt sich, wer hier wen verbiegt.
müssen Wege finden.
Fällt mir nicht auf alle Fragen eine Antwort ein,
Lesen, Werden, Denken, Lieben,
werde ich mir meinen Gott verbiegen?
Schwer wiegen die Warnungsworte eines Freundes,
treiben meine Seele um.
Kann mich nicht daran erfreu’n, es
ist der Hinweis, ob es stimmt,
dass mein Gott nun meine Wege nimmt.
Kann man seine Augen schließen,
und nicht in die Tiefe geh’n?
Freundschaft heißt auch Blutvergießen,
Mut und Ehrlichkeit sind rar.
Fragen an den Menschen, der ich gestern war.
Hab ich mich versklaven lassen,
oder habe ich versklavt?
Darf ich mir den Mut anmaßen
achtlos über Grenzen nun zu lieben,
oder heißt das, nahe Ufer unerreichbar fortzuschieben?
Bin ich stumm und taub geworden
gegenüber dem, was zählt?
Welcher Geist wohnt in den Worten
die ich rede, die du sprichst?
Glaub’ ich, dass du etwas wichtiges vergisst.
Werd’ ich bleiben bei den Bildern,
die mir meine Lebenswege
von dem Einen, der da ist, bunt schildern?
Nein, sagst du, doch ich will meinen:
mir steht auch wirklich nicht der Sinn nach deinen.
Lesen, Lieben, Denken, Bleiben,
und ich lass das zweite nicht.
Werden wir uns oft noch dran zerreiben,
weiß ich, dass mein Gott mich liebt!
Fragt sich, wer hier wen verbiegt.
Sehnen nach oben
Mein Bauch hat keinen Hunger jeh gekannt
und Durst nicht meine Kehle.
In meinem Herzen wohnt jemand,
und doch, wie kommt's, dass ich mich quäle?
Es geht mir gut, ich leide nicht,
es scheint, wie ich vermute, mir an nichts zu fehlen,
ich schlafe, wenn die Nacht anbricht,
und finde Zeit, bei Tag
die Blumen an dem Wegesrand zu zählen.
Ich habe Freunde, die ich mag,
und die mich gleichsam mögen;
woran mag es mir fehlen?
Manch kleinen Wunsch hab ich mir selbst erfüllt,
und für die großen Wünsche fand ich Segen.
Ich fühl mich seltsam eingehüllt,
und sicher auf den meisten Wegen.
Ich frag' dich, meine bange Seele,
wie kommt's, dass ich mich quäle?
Ist es denn unwahr, dass ich alles habe?
Das ist es nicht, denn reich sind meine Tage.
Mir ist, als mache Gott sich überflüssig,
wenn man den Mangel nicht mehr hat.
Muss er nicht eifersüchtig sein, und überdrüssig,
dass ich, der alles hat, so selten nach ihm frage?
Was quäl' ich mich, statt Dankbarkeit zu zeigen?
Er gab mir alles, doch die Sehnsucht,
und die Liebesqual nach dem, was oben ist,
will nicht dem Ende zu sich neigen.
So ist denn der, der alles hat, am Ende auf der Flucht,
und will zurück zu dem, was wichtig ist,
als wäre alles erst der wahre Grund,
warum man seinen Gott vermisst,
und ihn voll Sehnen wieder sucht.
und Durst nicht meine Kehle.
In meinem Herzen wohnt jemand,
und doch, wie kommt's, dass ich mich quäle?
Es geht mir gut, ich leide nicht,
es scheint, wie ich vermute, mir an nichts zu fehlen,
ich schlafe, wenn die Nacht anbricht,
und finde Zeit, bei Tag
die Blumen an dem Wegesrand zu zählen.
Ich habe Freunde, die ich mag,
und die mich gleichsam mögen;
woran mag es mir fehlen?
Manch kleinen Wunsch hab ich mir selbst erfüllt,
und für die großen Wünsche fand ich Segen.
Ich fühl mich seltsam eingehüllt,
und sicher auf den meisten Wegen.
Ich frag' dich, meine bange Seele,
wie kommt's, dass ich mich quäle?
Ist es denn unwahr, dass ich alles habe?
Das ist es nicht, denn reich sind meine Tage.
Mir ist, als mache Gott sich überflüssig,
wenn man den Mangel nicht mehr hat.
Muss er nicht eifersüchtig sein, und überdrüssig,
dass ich, der alles hat, so selten nach ihm frage?
Was quäl' ich mich, statt Dankbarkeit zu zeigen?
Er gab mir alles, doch die Sehnsucht,
und die Liebesqual nach dem, was oben ist,
will nicht dem Ende zu sich neigen.
So ist denn der, der alles hat, am Ende auf der Flucht,
und will zurück zu dem, was wichtig ist,
als wäre alles erst der wahre Grund,
warum man seinen Gott vermisst,
und ihn voll Sehnen wieder sucht.
Montag, 9. Juli 2012
Ich würd' es wieder tun!
"Würden Sie uns empfehlen?", so fragt mich ein Fragebogen eines Hotels, um die Qualität der Dienstleistung zu verbessern. Die Frage ist spannend, wenn es darum geht, was man tun und was man lassen sollte. So ist es in Frankreich Brauch, bei Rot über Fußgängerampeln zu gehen. Würden Sie das Ihren Kindern empfehlen? Selbstverständlich nicht. Ganz generell stellt sich die Frage, ob man etwas tun sollte, was man seinen Kindern nicht raten würde. Das Alte Testament fasst diesen Ratschlag im Gebot der Nächstenliebe zusammen, das sich frei übersetzt nach: "Was du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem andren zu."
Ich frage mich, wie die Welt aussähe, wenn es mehr in Mode käme, seine Handlungsweise zu hinterfragen, ob sie empfehlenswert ist. Nur wegen der Qualitätssicherung und so...
Aber dieser Blog-Post soll jetzt nicht vor Schwermut und Weltverbesserungsgedusel überquellen. Ich bin nach meinem Urlaub gut erholt wieder da und strotze nur so vor Schaffensdrang! (Ich habe mir sogar ein Ausrufezeichen gegönnt...)
Deswegen bekommt ihr von mir ein Lied, und ein Urlaubs-Bild:
Ich war in:
und ich würd' es wieder tun:
Ich frage mich, wie die Welt aussähe, wenn es mehr in Mode käme, seine Handlungsweise zu hinterfragen, ob sie empfehlenswert ist. Nur wegen der Qualitätssicherung und so...
Aber dieser Blog-Post soll jetzt nicht vor Schwermut und Weltverbesserungsgedusel überquellen. Ich bin nach meinem Urlaub gut erholt wieder da und strotze nur so vor Schaffensdrang! (Ich habe mir sogar ein Ausrufezeichen gegönnt...)
Deswegen bekommt ihr von mir ein Lied, und ein Urlaubs-Bild:
Ich war in:
| Nîmes |
und ich würd' es wieder tun:
Schlagworte:
Gott,
Musik,
Nachdenkliches,
Tagebuch
Freitag, 1. Juni 2012
Dieses Lied vom wunderbaren Mark Forster lief gestern im Radio:
Schöner Text und irgendwie hat mich die Melodie direkt gut gelaunt. Auf dem Weg durch die Unterführung am Wiener Platz in Mülheim ging ich dann mit einem Eis in der Hand an einem Straßenmusikanten vorbei. Ein Gedanke kam mir in den Kopf: Essen nicht die Hündlein vom übrigen Brot (aus Markus 7, 28)? So wanderte die dritte Eiskugel in Form des restlichen Kleingeldes in die Mütze des Musikanten. Einmal nicht vorbeirauschen an allen anderen.
Schöner Text und irgendwie hat mich die Melodie direkt gut gelaunt. Auf dem Weg durch die Unterführung am Wiener Platz in Mülheim ging ich dann mit einem Eis in der Hand an einem Straßenmusikanten vorbei. Ein Gedanke kam mir in den Kopf: Essen nicht die Hündlein vom übrigen Brot (aus Markus 7, 28)? So wanderte die dritte Eiskugel in Form des restlichen Kleingeldes in die Mütze des Musikanten. Einmal nicht vorbeirauschen an allen anderen.
Dienstag, 3. April 2012
ICH BIN.
Vor kurzem hat ein Mann aus meiner Gemeinde mich auf Gott 9.0 hingewiesen. Auf dem Blog der Autoren fand er eine neue, freie Formulierung der Ich-bin-Worte von Jesus Christus und regte mich an, diese mit in die Osterzeit zu nehmen. Das habe ich getan, und jetzt teile ich die Inspiration über diese Worte mit euch:
ICH BIN der Fingerabdruck am Tatort deines Lebensweges. Manchmal passe ich nicht in deine Theorie. Finde eine Erklärung für mich.
ICH BIN die Stille im Wartezimmer. Hab Geduld und finde Ruhe, denn ich erwarte dich.
ICH BIN der Schrei deiner Hilflosigkeit, wenn nichts sich verändert. Lass mich laut werden, damit du mich hören wirst.
ICH BIN die schönste weiße Lilie auf dem Grab deiner Fehlversuche. Wirst du mir Wasser geben?
ICH BIN das Lächeln des Vaters, der seiner Tochter ein Geschenk mitgebracht hat. Am Abend der Erfüllung sollst du Freude finden.
ICH BIN der sechste Ball von Borussia Dortmund im Kölner Tor. Habe keine Angst vor dem Netz, denn auf der anderen Seite wird Gewinn sein.
ICH BIN der frierende Tropfen am Grashalm deiner großen Ziele. Am Frühlingslachen gebe ich dir neu Kraft.
ICH BIN bin Leere in den Augen des alten Mannes, dessen Freunde gestorben sind. Wenn ich dir begegne, schenkst du mir das Morgenlicht?
ICH BIN die Gabel, die an deinem Seelensuppenteller in deiner Hand zittert. Lass mich dir zeigen, was du essen kannst.
ICH BIN der Rohrbruch unter dem Putz deiner schlechten Gewohnheiten. Gib mir ein Gewähren, und ich werde neuen Raum für dich gewinnen.
ICH BIN die Zahl, deren nächste Stelle aus der unendlichen Summe entspringt. Schau die Bäume und Vögel an und entdecke: Ich bin in allem.
ICH BIN die zarte Hand des Geliebten in der Abendsonne hinter dem Sorgenleinen. Wirst du heute mit mir auf Tuchfühlung gehen?
ICH BIN das gestohlene Bonbon in den Taschen deiner Vergangenheit. Ich habe dir lange verziehen, nun genieße mich.
ICH BIN das Ameisenflüstern im Waldboden. Lege Ohr an mich, wenn du kniest, und lass mich heilig raunen.
ICH BIN die dreimal vollkommene goldene Acht. Fahre mit deinem Finger an mir entlang und entdecke, dass du stets zu mir zurückkommst.
Erkenne jetzt: ICH BIN wird nicht aufhören, EINS zu sein.
Sei du in mir, sprich du durch mich: ICH BIN.
ICH BIN.
ICH BIN das Treibholz am Strand deiner Einsamkeit. Entzünde mich in kalter Nacht, du wirst gefunden werden.ICH BIN der Fingerabdruck am Tatort deines Lebensweges. Manchmal passe ich nicht in deine Theorie. Finde eine Erklärung für mich.
ICH BIN die Stille im Wartezimmer. Hab Geduld und finde Ruhe, denn ich erwarte dich.
ICH BIN der Schrei deiner Hilflosigkeit, wenn nichts sich verändert. Lass mich laut werden, damit du mich hören wirst.
ICH BIN die schönste weiße Lilie auf dem Grab deiner Fehlversuche. Wirst du mir Wasser geben?
ICH BIN das Lächeln des Vaters, der seiner Tochter ein Geschenk mitgebracht hat. Am Abend der Erfüllung sollst du Freude finden.
ICH BIN der sechste Ball von Borussia Dortmund im Kölner Tor. Habe keine Angst vor dem Netz, denn auf der anderen Seite wird Gewinn sein.
ICH BIN der frierende Tropfen am Grashalm deiner großen Ziele. Am Frühlingslachen gebe ich dir neu Kraft.
ICH BIN bin Leere in den Augen des alten Mannes, dessen Freunde gestorben sind. Wenn ich dir begegne, schenkst du mir das Morgenlicht?
ICH BIN die Gabel, die an deinem Seelensuppenteller in deiner Hand zittert. Lass mich dir zeigen, was du essen kannst.
ICH BIN der Rohrbruch unter dem Putz deiner schlechten Gewohnheiten. Gib mir ein Gewähren, und ich werde neuen Raum für dich gewinnen.
ICH BIN die Zahl, deren nächste Stelle aus der unendlichen Summe entspringt. Schau die Bäume und Vögel an und entdecke: Ich bin in allem.
ICH BIN die zarte Hand des Geliebten in der Abendsonne hinter dem Sorgenleinen. Wirst du heute mit mir auf Tuchfühlung gehen?
ICH BIN das gestohlene Bonbon in den Taschen deiner Vergangenheit. Ich habe dir lange verziehen, nun genieße mich.
ICH BIN das Ameisenflüstern im Waldboden. Lege Ohr an mich, wenn du kniest, und lass mich heilig raunen.
ICH BIN die dreimal vollkommene goldene Acht. Fahre mit deinem Finger an mir entlang und entdecke, dass du stets zu mir zurückkommst.
Erkenne jetzt: ICH BIN wird nicht aufhören, EINS zu sein.
Sei du in mir, sprich du durch mich: ICH BIN.
Freitag, 6. Januar 2012
Aber als Mensch...
Schwere Gedanken zur Nacht.
Im Herbst war ich mit ein paar Freunden im Urlaub. Wir haben viel gelacht und Späße gemacht, es war eine herrliche Zeit. Einer unserer Gags beschäftigte sich mit einem ganz realen Problem: Dem Gutmenschen-Tum.
Damit meine ich den humanistischen Ansatz, der besagt: "Jeder Mensch ist wertvoll und gut." Ein schöner Satz, so einprägsam und friedfertig. Aber auch plakativ und wenig hintergründig. Und darüber haben wir uns amüsiert:
Ist es ein kluger Gedanke, die Beurteilung eines Menschen von seinem Tun zu trennen?
Der Humanismus tut es. Die Postmoderne tut es. Manche sagen, selbst die Bibel tut es, wenn sie einerseits Gottes Liebe zu allen Menschen bezeugt und andererseits umfangreiche Sündenkataloge enthält.
Die überwiegende Mehrheit der Menschen geht instinktiv jedoch anders vor. Wer mir einen Stein ans Bein wirft, den halte ich für schlecht. Wenn jemand schlecht über einen redet, verschlechtert sich auch die eigene Haltung dieser Person (!) gegenüber. Die wenigsten Leute verbringen gerne Zeit mit Drogensüchtigen, auch wenn diese nicht gerade ihrer Sucht frönen. Es scheint beinahe so zu sein, als würde uns der "gesunde Menschenverstand" lehren: Schlecht ist, wer schlechtes tut, und gut ist, wer gutes tut.
Hand aufs Herz: Bist du in der Lage den Menschen von seinen Taten zu trennen? Wirst du deine Tochter unbeschwert lieben, wenn sie ihr Kind tötet? Wirst du deinen Partner unbeschwert lieben, wenn er dir untreu ist? Wirst du erfüllt von seliger Nächstenliebe der ständig schimpfenden Nachbarin die schwere Tasche hochtragen?
Ich denke nicht, dass du das tun wirst - auch wenn du dir vielleicht größte Mühe gibst und es fast schaffst. Ich denke auch nicht, dass das nötig ist. Stattdessen vermute ich, dass es gut und richtig ist, einen Menschen nach seinen Taten zu beurteilen. Die Taten eines Menschen sind der ausschlaggebende Teil der Realität, der uns eine sinnvolle Einschätzung unserer Umwelt ermöglicht.
Es mag ja ein schöner, versöhnlicher Gedanke sein, jeden Menschen ungeachtet seines Handelns wertzuschätzen - aber für umsetzbar halte ich ihn nicht. Die Bibel ist in weiten Teilen ein Buch, das uns stattdessen nahebringt, was umsetzbar und möglich ist. Sie fügt den beiden Denkansätzen:
Jeder Mensch ist wertvoll und schlecht.
Jawohl: Jeder Mensch ist wertvoll und zugleich schlecht. Schlecht ist jeder Mensch, weil man ihn eben nicht von seinen ggf. bösen Taten und Gedanken trennen kann. Ein ganzheitliches Bild eines Menschen muss sein Handeln, Denken und Fühlen beinhalten. Das bedeutet aber zwangsläufig, dass kein Mensch im alttestamentlichen Sinne gut sein kann, denn jeder hat schon einmal etwas getan oder gedacht, was anderen schadet; die Bibel nennt das Sünde. Der Mensch ist ergo schlecht - das steht so übrigens auch in der Bibel! Diese Schlechtigkeit bewirkt Gottesferne: Das Gute will nicht beim Schlechten sein. Gottesferne wiederum führt nach allgemeinem Bibelverständnis zu dem, was man Hölle nennt.
Aber der Mensch ist abgesehen davon, dass er schlecht (und zwar unglaublich schlecht!) ist, auch wertvoll. Der Wert des Menschen begründet sich biblisch daraus, dass er von Gott geliebt wird. Gott liebt aber nicht etwas wertloses, weil seine Liebe Wert stiftet.
Das Gleichnis vom Briefmarkensammler
Wir können uns das vorstellen wie mit einer Briefmarke und einem Briefmarkensammler. Die Briefmarke ist nur ein langweiliges, billig fabriziertes, schmutziges, vergilbtes Stück Papier. Der Briefmarkensammler hingegen sieht in der Seltenheit jeder speziellen Briefmarke einen Wert, und dieser Wert überträgt sich auf die Briefmarke. Die Briefmarke ist daher so viel wert, wie der Briefmarkensammler dafür ausgeben wird. Warum der Sammler es so toll findet, dass eine Marke so selten ist, und warum er Unsummen dafür ausgibt - das weiß der Geier, es ist ja eigentlich nur bedrucktes Papier. Es wird ein Geheimnis bleiben. Sammelleidenschaften und Gottes Liebe sind gleichermaßen unergründlich.
Nun ist die Bibel aber kein fatalistisches oder pessimistisches Buch, sondern ein Buch der Hoffnung und der Gnade. Gnade bedeutet, dass es jemandem anders ergeht, als er verdient hätte. Ein altes, vergilbtes Stück Papier mit geriffeltem Rand gehört eigentlich auf den Müll. Für die Briefmarke ist es Gnade, wenn der Briefmarkensammler ein Vermögen ausgibt, um sie zu erwerben und in seine Sammlung aufzunehmen. Auch in der Sammlung wird sie noch genau das sein: Ein altes, vergilbtes Stück Papier mit geriffeltem Rand. Aber sie wird dem Briefmarkensammler gehören.
So ist es mit Gott und seinen Menschen. Schlechtes (z.B. Menschen) gehört eigentlich nicht in die Nähe von Gutem (z.B. Gott). Für uns Menschen ist es Gnade, wenn Gott ein Vermögen ausgibt, um von dieser Regel eine Ausnahme zu machen. Dieses ausgegebene Vermögen ist nichts anderes als der Tod von Gottes Sohn (Jesus Christus) am Kreuz. Wie ein Briefmarkensammler dann endlich die geliebte Briefmarke in den eigenen Händen halten kann, so kann Gott dann endlich die geliebten Menschen in seiner Nähe haben; die Bibel nennt das Himmel.
Dem Schlechten aus Gnade das Gute angedeihen lassen
Die Bibel trennt den Menschen nicht von seinen Taten, wie unsere Gesellschaft es so gerne tun würde, um es sich etwas leichter zu machen. Im Grunde ist die Bibel ein mutiges Buch: Sie traut es sich, dem Schlechten aus Gnade das Gute angedeihen zu lassen.
Ich muss also nicht selber hingehen und den großen Versöhner spielen, muss nicht betonen, wie sehr ich einen Menschen ungeachtet seines Handelns noch wertschätzen kann, muss nicht immer voll auf Harmonie gepolt sein. Die Aufgabe des Versöhnens ist Gottes Aufgabe. Unsere Aufgabe als Menschen ist es, dem Briefmarkensammler Freude zu bereiten.
An dieser Stelle entschuldige ich mich bei dir, dass aus einem harmlosen Blog-Post eine Predigt geworden ist. Die Pferde sind einfach mit mit durchgegangen. Ja ja, die Schlechtigkeit des Menschen - da war sie wieder.
Im Herbst war ich mit ein paar Freunden im Urlaub. Wir haben viel gelacht und Späße gemacht, es war eine herrliche Zeit. Einer unserer Gags beschäftigte sich mit einem ganz realen Problem: Dem Gutmenschen-Tum.
Damit meine ich den humanistischen Ansatz, der besagt: "Jeder Mensch ist wertvoll und gut." Ein schöner Satz, so einprägsam und friedfertig. Aber auch plakativ und wenig hintergründig. Und darüber haben wir uns amüsiert:
- "Ey, ich find' voll Scheiße, dass du die Marmelade alle gemacht hast. Aber als Mensch bist du natürlich voll OK."
- "Also manchmal geht mir dein Gelaber echt auf den Sack. Aber als Mensch wertschätze ich dich."
- "Mag ja sein, dass Saddam Hussein abertausende Menschen umgebracht hat. Aber als Mensch ist er total nett. Und so."
Ist es ein kluger Gedanke, die Beurteilung eines Menschen von seinem Tun zu trennen?
Der Humanismus tut es. Die Postmoderne tut es. Manche sagen, selbst die Bibel tut es, wenn sie einerseits Gottes Liebe zu allen Menschen bezeugt und andererseits umfangreiche Sündenkataloge enthält.
Die überwiegende Mehrheit der Menschen geht instinktiv jedoch anders vor. Wer mir einen Stein ans Bein wirft, den halte ich für schlecht. Wenn jemand schlecht über einen redet, verschlechtert sich auch die eigene Haltung dieser Person (!) gegenüber. Die wenigsten Leute verbringen gerne Zeit mit Drogensüchtigen, auch wenn diese nicht gerade ihrer Sucht frönen. Es scheint beinahe so zu sein, als würde uns der "gesunde Menschenverstand" lehren: Schlecht ist, wer schlechtes tut, und gut ist, wer gutes tut.
Hand aufs Herz: Bist du in der Lage den Menschen von seinen Taten zu trennen? Wirst du deine Tochter unbeschwert lieben, wenn sie ihr Kind tötet? Wirst du deinen Partner unbeschwert lieben, wenn er dir untreu ist? Wirst du erfüllt von seliger Nächstenliebe der ständig schimpfenden Nachbarin die schwere Tasche hochtragen?
Ich denke nicht, dass du das tun wirst - auch wenn du dir vielleicht größte Mühe gibst und es fast schaffst. Ich denke auch nicht, dass das nötig ist. Stattdessen vermute ich, dass es gut und richtig ist, einen Menschen nach seinen Taten zu beurteilen. Die Taten eines Menschen sind der ausschlaggebende Teil der Realität, der uns eine sinnvolle Einschätzung unserer Umwelt ermöglicht.
Es mag ja ein schöner, versöhnlicher Gedanke sein, jeden Menschen ungeachtet seines Handelns wertzuschätzen - aber für umsetzbar halte ich ihn nicht. Die Bibel ist in weiten Teilen ein Buch, das uns stattdessen nahebringt, was umsetzbar und möglich ist. Sie fügt den beiden Denkansätzen:
- Jeder Mensch ist wertvoll und gut. (Humanismus)
- Jeder Mensch ist schlimm und schlecht. (Fatalismus)
Jeder Mensch ist wertvoll und schlecht.
Jawohl: Jeder Mensch ist wertvoll und zugleich schlecht. Schlecht ist jeder Mensch, weil man ihn eben nicht von seinen ggf. bösen Taten und Gedanken trennen kann. Ein ganzheitliches Bild eines Menschen muss sein Handeln, Denken und Fühlen beinhalten. Das bedeutet aber zwangsläufig, dass kein Mensch im alttestamentlichen Sinne gut sein kann, denn jeder hat schon einmal etwas getan oder gedacht, was anderen schadet; die Bibel nennt das Sünde. Der Mensch ist ergo schlecht - das steht so übrigens auch in der Bibel! Diese Schlechtigkeit bewirkt Gottesferne: Das Gute will nicht beim Schlechten sein. Gottesferne wiederum führt nach allgemeinem Bibelverständnis zu dem, was man Hölle nennt.
Aber der Mensch ist abgesehen davon, dass er schlecht (und zwar unglaublich schlecht!) ist, auch wertvoll. Der Wert des Menschen begründet sich biblisch daraus, dass er von Gott geliebt wird. Gott liebt aber nicht etwas wertloses, weil seine Liebe Wert stiftet.
Das Gleichnis vom Briefmarkensammler
Wir können uns das vorstellen wie mit einer Briefmarke und einem Briefmarkensammler. Die Briefmarke ist nur ein langweiliges, billig fabriziertes, schmutziges, vergilbtes Stück Papier. Der Briefmarkensammler hingegen sieht in der Seltenheit jeder speziellen Briefmarke einen Wert, und dieser Wert überträgt sich auf die Briefmarke. Die Briefmarke ist daher so viel wert, wie der Briefmarkensammler dafür ausgeben wird. Warum der Sammler es so toll findet, dass eine Marke so selten ist, und warum er Unsummen dafür ausgibt - das weiß der Geier, es ist ja eigentlich nur bedrucktes Papier. Es wird ein Geheimnis bleiben. Sammelleidenschaften und Gottes Liebe sind gleichermaßen unergründlich.
Nun ist die Bibel aber kein fatalistisches oder pessimistisches Buch, sondern ein Buch der Hoffnung und der Gnade. Gnade bedeutet, dass es jemandem anders ergeht, als er verdient hätte. Ein altes, vergilbtes Stück Papier mit geriffeltem Rand gehört eigentlich auf den Müll. Für die Briefmarke ist es Gnade, wenn der Briefmarkensammler ein Vermögen ausgibt, um sie zu erwerben und in seine Sammlung aufzunehmen. Auch in der Sammlung wird sie noch genau das sein: Ein altes, vergilbtes Stück Papier mit geriffeltem Rand. Aber sie wird dem Briefmarkensammler gehören.
So ist es mit Gott und seinen Menschen. Schlechtes (z.B. Menschen) gehört eigentlich nicht in die Nähe von Gutem (z.B. Gott). Für uns Menschen ist es Gnade, wenn Gott ein Vermögen ausgibt, um von dieser Regel eine Ausnahme zu machen. Dieses ausgegebene Vermögen ist nichts anderes als der Tod von Gottes Sohn (Jesus Christus) am Kreuz. Wie ein Briefmarkensammler dann endlich die geliebte Briefmarke in den eigenen Händen halten kann, so kann Gott dann endlich die geliebten Menschen in seiner Nähe haben; die Bibel nennt das Himmel.
Dem Schlechten aus Gnade das Gute angedeihen lassen
Die Bibel trennt den Menschen nicht von seinen Taten, wie unsere Gesellschaft es so gerne tun würde, um es sich etwas leichter zu machen. Im Grunde ist die Bibel ein mutiges Buch: Sie traut es sich, dem Schlechten aus Gnade das Gute angedeihen zu lassen.
Ich muss also nicht selber hingehen und den großen Versöhner spielen, muss nicht betonen, wie sehr ich einen Menschen ungeachtet seines Handelns noch wertschätzen kann, muss nicht immer voll auf Harmonie gepolt sein. Die Aufgabe des Versöhnens ist Gottes Aufgabe. Unsere Aufgabe als Menschen ist es, dem Briefmarkensammler Freude zu bereiten.
An dieser Stelle entschuldige ich mich bei dir, dass aus einem harmlosen Blog-Post eine Predigt geworden ist. Die Pferde sind einfach mit mit durchgegangen. Ja ja, die Schlechtigkeit des Menschen - da war sie wieder.
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