Freitag, 20. Juli 2012

Sehnen nach oben

Mein Bauch hat keinen Hunger jeh gekannt
und Durst nicht meine Kehle.
In meinem Herzen wohnt jemand,
und doch, wie kommt's, dass ich mich quäle?
Es geht mir gut, ich leide nicht,
es scheint, wie ich vermute, mir an nichts zu fehlen,
ich schlafe, wenn die Nacht anbricht,
und finde Zeit, bei Tag
die Blumen an dem Wegesrand zu zählen.
Ich habe Freunde, die ich mag,
und die mich gleichsam mögen;
woran mag es mir fehlen?
Manch kleinen Wunsch hab ich mir selbst erfüllt,
und für die großen Wünsche fand ich Segen.
Ich fühl mich seltsam eingehüllt,
und sicher auf den meisten Wegen.
Ich frag' dich, meine bange Seele,
wie kommt's, dass ich mich quäle?
Ist es denn unwahr, dass ich alles habe?
Das ist es nicht, denn reich sind meine Tage.
Mir ist, als mache Gott sich überflüssig,
wenn man den Mangel nicht mehr hat.
Muss er nicht eifersüchtig sein, und überdrüssig,
dass ich, der alles hat, so selten nach ihm frage?
Was quäl' ich mich, statt Dankbarkeit zu zeigen?
Er gab mir alles, doch die Sehnsucht,
und die Liebesqual nach dem, was oben ist,
will nicht dem Ende zu sich neigen.
So ist denn der, der alles hat, am Ende auf der Flucht,
und will zurück zu dem, was wichtig ist,
als wäre alles erst der wahre Grund,
warum man seinen Gott vermisst,
und ihn voll Sehnen wieder sucht.

Sechs Tage - Sechs Texte

Was für eine bewegende Woche! Das meine ich ernst. Und wie immer, wenn ich bewegt bin, schreibe ich. Deswegen kriegt ihr jetzt Daniels Wochenmarathon: Sechs Minuten - Sechs Tage - Sechs Texte. Warum nur sechs? Na, am siebten Tag ruhte der Herr!

Also, los geht's!

Montag, 9. Juli 2012

Ich würd' es wieder tun!

"Würden Sie uns empfehlen?", so fragt mich ein Fragebogen eines Hotels, um die Qualität der Dienstleistung zu verbessern. Die Frage ist spannend, wenn es darum geht, was man tun und was man lassen sollte. So ist es in Frankreich Brauch, bei Rot über Fußgängerampeln zu gehen. Würden Sie das Ihren Kindern empfehlen? Selbstverständlich nicht. Ganz generell stellt sich die Frage, ob man etwas tun sollte, was man seinen Kindern nicht raten würde. Das Alte Testament fasst diesen Ratschlag im Gebot der Nächstenliebe zusammen, das sich frei übersetzt nach: "Was du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem andren zu."

Ich frage mich, wie die Welt aussähe, wenn es mehr in Mode käme, seine Handlungsweise zu hinterfragen, ob sie empfehlenswert ist. Nur wegen der Qualitätssicherung und so...

Aber dieser Blog-Post soll jetzt nicht vor Schwermut und Weltverbesserungsgedusel überquellen. Ich bin nach meinem Urlaub gut erholt wieder da und strotze nur so vor Schaffensdrang! (Ich habe mir sogar ein Ausrufezeichen gegönnt...)

Deswegen bekommt ihr von mir ein Lied, und ein Urlaubs-Bild:

Ich war in:
Nîmes


und ich würd' es wieder tun:


Sonntag, 17. Juni 2012

Original gegen Kopie

Madonna (dem einem oder anderen besser bekannt als Königin des Pop) hat ein leider wenig beachtetes Album namens "MDNA" aufgenommen, das entgegen seines Misserfolgs viele schöne Stücke enthält.

Da wäre zum Beispiel das Stück Masterpiece. Wieso floppt so ein Stück? Macht die Königin des Pop was falsch? Vergleicht selbst Original und Kopie:


Und natürlich bekommt ihr auch die Übersetzung für das Lied "Meisterstück":

Wenn du die Mona Lisa wärst,
würdest du im Louvre hängen.
Jeder würde kommen, dich zu seh'n,
es wäre unmöglich, dich umzuhängen.
Es scheint mir, das bist du,
ein seltenes, teures Meisterstück.
Bleib hinter deinem Samtvorhang,
aber ich werde die Hoffnung nicht aufgeben.

Und ich steh an deiner Seite,
wie ein Dieb in der Nacht
stehe ich vor dem Meisterstück.
Und ich kann dir nicht erklären,
warum es so schmerzt,
in ein Meisterstück verliebt zu sein.
Denn letzten Endes
ist nichts unzerstörbar.

Von dem Augenblick an, da ich dich zuerst sah,
verwandelte sich Finsternis in Weiß.
Ein impressionistisches Gemälde,
kleine Tupfer aus Licht.
Es scheint mir, das bist du,
ein "Hinschau'n, aber nicht anfassen" Mensch.
Und ganz im Ernst, es kann nicht schön sein,
immer der Auserwählte zu sein.

Und ich steh an deiner Seite...


Freitag, 1. Juni 2012

Dieses Lied vom wunderbaren Mark Forster lief gestern im Radio:

Schöner Text und irgendwie hat mich die Melodie direkt gut gelaunt. Auf dem Weg durch die Unterführung am Wiener Platz in Mülheim ging ich dann mit einem Eis in der Hand an einem Straßenmusikanten vorbei. Ein Gedanke kam mir in den Kopf: Essen nicht die Hündlein vom übrigen Brot (aus Markus 7, 28)? So wanderte die dritte Eiskugel in Form des restlichen Kleingeldes in die Mütze des Musikanten. Einmal nicht vorbeirauschen an allen anderen.